Crocus sativus (Latein)
Echter Safran (Deutsch)
Kunkuma (Sanskrit), Kesar (Hindi)

 

Auf der Suche nach dem Ursprung und dem Namen dieses wertvollen Gewürzes werden wir zur griechischen Mythologie geleitet, wo der Gott Hermes seinen Freund Krokus beim Diskuswerfen versehentlich getötet haben soll. Dessen Blut habe er, der Legende nach, als Wiedergutmachung in eine zarte, violette Blüte mit dem Namen Krokus verwandelt.

Passend zur goldgelben Farbe dieses edlen Gewürzes werden auch ebenso farbige Geschichten erzählt, die weit über 4000 Jahre zurückreichen – nach China, Indien, Mesopotamien, Arabien,  Rom und Spanien.

Mit dem Fall Roms geriet Safran in Europa in Vergessenheit und tauchte erst ab dem 14. Jh.n.Chr. wieder auf. Die Erzählungen berichten von Aphrodisiaka, von Erotik und Fruchtbarkeit und von allerlei Bräuchen und in denen die sonnengelbe Farbe dieses aussergewöhnlichen Gewürzes eine wichtige Rolle spielte.

 

Im Gegensatz zu den meisten Kräutern, Blättern, Gewürzen und Wurzeln wird Safran seit jeher mit Gold aufgewogen. Die feinen, rötlichen Safranfäden werden in Portionen von weniger als einem Gramm verkauft. Für ein Kilogramm Safran werden bis zu 150'000 Blüten benötigt, komplett in fleissiger Handarbeit gezupft. Dazu kommt, dass für medizinische, rituelle und kulinarische Zwecke lediglich die getrockneten, orangeroten Narbenschenkel verwendet werden.

 

Da wertvolle Substanzen von gewieften Händlern gerne mit preiswerteren Materialien gestreckt werden, ist es empfehlenswert, Safran als ganze Fäden zu kaufen. Gelbwurz oder Kurkuma (durchaus ein geschätztes, ayurvedisches Gewürz) ist ebenso gelb, aber um einiges preiswerter als der kostbare Safran.

 

Crocus sativus ist ein kleines Schwertliliengewächs mit sehr schmalen Blättern und hellvioletten Blüten, die erst im Herbst erblühen. Die uralte Kulturpflanze kommt in warmen Gegenden vor und wird von Südspanien über Marokko, Iran bis im indischen Kashmir-Tal angebaut In der Schweiz gedeiht der legendäre und begehrte einheimische Safran an den sonnigen Hängen von Mund im Kanton Wallis.

 

Auch in der traditionellen ayurvedischen Heilkunde wird Safran als Rasayana und wirkungsvolles Aphrodisiakum gepriesen. Sein Geschmack ist bitter und herb, was ihn zu einer wirksamen Anti-Pitta-Pflanze macht. Bitter und herb reduzieren zudem Kapha; die wärmenden und öligen Eigenschaften beruhigen ausserdem Vata.

Besonders hervorzuheben ist, dass Safran als Katalysator die Wirkung anderer Pflanzen und ayurvedischer Präparate zu verstärken vermag.

Mit seiner gespeicherten Lichtenergie wird Safran zu den sattvischen Nahrungsmitteln gezählt.

 

Ayurvedische Eigenschaften (getrockneten Narbenschenkel):

  • Geschmack (Rasa): scharf, bitter
  • Eigenschaft (Guna): ölig
  • Wirkkraft (Virya): erhitzend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): scharf
  • Wirkung auf die Doshas: verringert und harmonisiert alle drei Doshas
  • Mentale und spirituelle Wirkung: vermehrt Sattva und Ojas