Punica granatum L. (Latein)
Granatapfel, Paradiesapfel (Deutsch)
Dadimah (Sanskrit), Anar (Hindi)

 

Ob es sich beim Granatapfel nun tatsächlich um den legendären Apfel handelt, mit dem Eva ihren Adam im Paradies verführt haben soll, sei dahingestellt. Beeindruckend ist diese einzigartige Frucht ohnehin. Die ledrige Schale mit dem königlichen Blütenkrönchen verleitet uns dazu, sie zu öffnen, um ihren süssen Inhalt zu kosten. Gelingt es uns, die zähe Schale aufzuschneiden und den Granatapfel auseinanderzubrechen, so leuchten uns eng aneinander geschmiegte, rosa oder rot glänzende, eigentümlich geformte, kantige Kerne entgegen, die eingebettet in einer gut schützenden Hülle liegen.

 

Doch betrachten wir zuerst den bis zu 8 m hohen Baum, der mehrere Hundert Jahre alt werden kann und um den sich unzählige Legenden ranken. Der Granatapfel ist eine der ältesten Kulturfrüchte überhaupt. Vermutlich stammt er ursprünglich aus Persien, wird aber inzwischen im gesamten Mittelmeerraum, in Amerika, China und Australien angebaut.

Seine lanzettartigen Blätter sind rund 10 cm lang und ledrig. Aus wunderschönen, trichterartigen Blüten entwickeln sich bis zum Herbst faustgrosse Früchte, die zu den Scheinbeeren gehören.

Der tiefrote Saft, wie auch die Fruchtschale und die Blüte, werden in Asien traditionell zum Färben von Orientteppichen verwendet. Daher gilt es, den Granatapfel vorsichtig zu schälen und zu geniessen, seine Flecken hinterlassen auf Textilien unvergessliche Erinnerungen …

 

In der ayurvedischen Medizin werden traditionell nicht nur die Früchte und deren Saft, sondern auch die Samen (welche östrogenähnliche Substanzen enthalten), die Blüten, die Fruchtschalen und Wurzeln verwendet. Alle Pflanzenteile von Punica granatum weisen einen herben, astringierenden Geschmack auf. Deshalb werden ihm abschwellende, zusammenziehende, allgemein hemmende Qualitäten zugeschrieben. Der Ayurveda schätzt den Granatapfel zudem als aphrodisierende und tonisierende Frucht. Die getrockneten, gemahlenen Kerne werden in der indischen Küche unter dem Namen «Anardana» als Gewürz verwendet, und aus den Granatapfelkernen lässt sich ausserdem ein kostbares Öl für kosmetische Anwendungen pressen.

 

Ayurvedische Eigenschaften (bezogen auf die reife Frucht):

  • Geschmack (Rasa): süss, herb
  • Eigenschaft (Guna): leicht, ölig
  • Wirkkraft (Virya): erhitzend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): süss
  • Sonderwirkung (Prabhava): Rinde und Wurzel wirken toxisch
  • Wirkung auf die Doshas: verringert alle drei Doshas
  • Stoffwechselenergie: stärkt Agni

 

 

Quellen:

Schrott/Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin, Springer Verlag, 2012

Zoller/Nordwig: Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin, Haug Verlag, 2012

Döll: Heilfrucht Granatapfel, Herbig Verlag, 2011