Santalum album L. (Latein)
Weisser Sandelholzbaum (Deutsch)
Sveta, Candana, Chandan (Sanskrit), safed candan, santal (Hindi)

 

Ein feines Räuchlein steigt auf und sein beruhigender Duft dringt unmittelbar tief in unsere Gefühlswelt ein. Hektik und Alltagsstress weichen innerer Ruhe und einer Atmosphäre des Friedens. Sandelholz gehört zu den bedeutendsten Duftstoffen Indiens und wird auch im Ayurveda für seine wertvollen Eigenschaften geschätzt und seit uralten Zeiten vielfältig eingesetzt. Der typische Sandelholzduft begleitet die Menschen als wichtiger Bestandteil spiritueller Zeremonien durch alle Lebensphasen. Er ist in Parfüms, Ölen, Körperpuder, Räucherstäbchen, Räucherwerk enthalten und wird in der Charaka Samhita, dem grossen Ayurveda-Lehrbuch, als eine der 10 Rasayana-Pflanzen (Verjüngungsmittel) bezeichnet. Auch in anderen antiken Texten wird Sandelholz ausführlich beschrieben. Schon damals wurde beispielsweise beobachtet, dass im Gegensatz zu Edelhölzern, das Kernholz des Sandelholzbaumes nicht von Termiten angegriffen wird, was ihm zu einem Sinnbild für Lebenskraft verhalf.

 

Während die grosse Bedeutung von Chandana in Indien schon früh erkannt worden war, tauchte Sandelholz erst im 15. Jahrhundert in italienischen Apotheken und dadurch in Europa auf.

 

Die ayurvedischen Geschmacksrichtungen und Eigenschaften von Santalum album «bitter, süss, leicht, trocken» und die Wirkkraft «kühlend» führen zu Einsatzgebieten, wo Kühlung, Beruhigung und Leichtigkeit erforderlich sind.  Dadurch werden Pitta und Kapha ausgeglichen.

 

Santalum album, ein 8 – 10 m hoher, immergrüner Baum, ist u.a. im tropischen Asien, in Vorderindien und auch in Australien heimisch. Weltweit wird er wegen seines aromatischen Holzes und seiner ätherischen Öle für die Kosmetikindustrie angebaut.

 

Etwas erstaunen mag, dass der Sandelholzbaum als Halbparasit lebt. Seine Blätter sind wie andere grüne Pflanzen zur Photosynthese fähig; gleichzeitig ist er jedoch auf Nährstoffe angewiesen, die er mit seinen unterirdischen Saugwurzeln anderen Bäumen entzieht. Erst im Alter von 25 Jahren beginnt sich der charakteristische Duft des Baumes, das ätherische Sandelholzöl, zu bilden. Die Ernte beginnt bei 30 bis 60 Jahre alten Bäumen. Der indische Staat ist bemüht, den Raubbau an Sandelholz, illegale Fällungen und den Schmuggel des wertvollen Rohstoffes zu verhindern.

 

Nicht mit Santalum album, dem weissen Sandelholzbaum, zu verwechseln ist das rote Sandelholz (Pterocarpus santalinus), das in den Wäldern Südindiens wächst. Wegen seiner attraktiven Farbe wird das Holz neben medizinischen Zwecken gerne als färbende Substanz für Getränke, Gebäcke oder Ostereier eingesetzt.

 

Ayurvedische Eigenschaften (getrocknete Kernholz):

  • Geschmack (Rasa): bitter, süss
  • Eigenschaft (Guna): leicht, trocken
  • Wirkkraft (Virya): kühlend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): scharf
  • Wirkung auf die Doshas: verringert Pitta und Kapha
  • Mentale und spirituelle Wirkung: sehr sattvisch, vermehrt Ojas
  • Stoffwechselenergie: stärkt Agni

 

 

Quellen:

Schrott/Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin, Springer Verlag, 2012

Zoller/Nordwig: Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin, Haug Verlag, 1997

Rizzi-Fischer: Das Buch vom Räuchern, AT Verlag, 2012