Mit kraftvollem Schreien kündigt das gesunde Neugeborene seine Ankunft auf dieser Welt an. Und am Ende unserer weltlichen Existenz hauchen wir den letzten Atem aus, um in eine neue, lichtvolle Dimension hinüberzugleiten. Zwischen diesen beiden prägenden Ereignissen dürfen wir während des ganzen Lebens auf den regelmässigen Rhythmus unseres Atems vertrauen, der uns zuverlässig mit Sauerstoff und Lebensenergie versorgt.

Kopf und Brustraum – Sitz und Aufgaben von Kapha

Der Ayurveda beschreibt den menschlichen Körper, indem er den drei Doshas Vata, Pitta und Kapha ihren jeweiligen Hauptsitz zuordnet. So hat Kapha seine Hauptlokalisation im Kopf, im Nacken, in den Gelenken, im Brustraum und in Dünndarm und Magen. Überall dort sorgt Kapha aufgrund seiner Eigenschaften für die Befeuchtung der Schleimhäute, die Schmierung der Gelenke und die Flüssigkeits- und Fettanteile des Nervensystems.

Im Atemtrakt erfahren wir diesen Schleim bei einem Schnupfen als fliessendes oder stockendes Nasensekret, als zähen Husten oder als verstopfte Nebenhöhlen. In diesen Fällen hat Kapha in helfender Weise auf Viren und Bakterien reagiert, die zuvor meist über zu trockene und ausgekühlte Schleimhäute in den Atemtrakt gelangt sind. Um gesund zu bleiben, sorgt Kapha für einen feinen, schützenden Film auf den Schleimhäuten und erschwert so unliebsamen Eindringlingen den Zutritt zu unserem Körper.

Ein- und Ausatmen – Prana Vata und Udana Vata

Während die Atemwege in Kopf und Brustraum Kapha zugeordnet werden, liegt der Vorgang des Ein- und Ausatmens in der Verantwortung von Vata, dem Bewegungsprinzip. Der Ayurveda beschreibt dazu die Aufgaben der beiden Vata Subdoshas Prana und Udana (jedes der drei Doshas ist in jeweils fünf Subdoshas unterteilt). Prana ist der «vitale Atem», die erste Manifestation von kosmischer Intelligenz und entspricht dem chinesischen Chi. Mit dem Einatmen nehmen wir Prana auf und führen diese Lebensenergie über Nervenkanäle und feinstoffliche Energiekanäle zu allen Zellen des Körpers. Der Vorgang des Ausatmens (Ausstossen von Kohlendioxid) ist die Aufgabe von Udana Vata, der aufsteigenden Bewegung. Udana ist die Energie, die vom Nabel/Zwerchfell an aufwärts steigt und Geist und Intellekt Stärke schenkt.

Geist und Atemrhythmus

Schon vor Tausenden von Jahren haben die vedischen Rishis (Seher) die enge Beziehung zwischen der geistigen Aktivität und dem Atem erkannt. In Stresssituationen, bei Gefahr oder wenn Angst uns lähmt, atmen wir stossweise, oberflächlich, unregelmässig, bis hin zu Zuständen, wo wir nur noch einatmen, hyperventilieren. Sind wir hingegen entspannt, so atmen wir in einem gleichmässig ruhigen Rhythmus tief in den Bauch hinein. Aus dem individuellen Atemrhythmus lässt sich erkennen, wie gelassen oder verspannt wir im Alltag unterwegs sind. Die Atmung drückt demnach den momentanen körperlichen und geistigen Zustand aus. Der Geist beeinflusst über die Atmung den Körper, und durch bewusstes Atmen haben wir einen direkten Einfluss auf die Psyche.

Wenn es uns gelingt, in herausfordernden Situationen unseren Atem zu kontrollieren und langsam und tief ein- und auszuatmen, wird sich auch der erregte Geist und das gesamte Geist-Körpersystem beruhigen.

Linke und rechte Nasenöffnung 

Noch eine weitere spannende Erkenntnis haben die weisen Seher vor langer Zeit gewonnen: Obwohl wir zwei Nasenöffnungen haben, versorgen diese uns nicht immer gleichmässig mit Sauerstoff und Prana. Einem individuellen Rhythmus von ca. 45 bis 90 Minuten entsprechend, atmen wir abwechselnd mehr durch das linke und dann mehr durch das rechte Nasenloch ein und aus.

Doch wozu?

Mit der verstärkten Atemmenge durch die linke Nasenöffnung aktiviert der Körper spezifisch die rechte Gehirnhemisphäre, und mehr Sauerstoff und Prana durch das rechte Nasenloch aktiviert die linke Gehirnhälfte.

Atemübungen – Pranayama

Yoga lehrt neben den bekannteren Yoga Asanas (Körperübungen) auch verschiedene Atemübungen und Atemtechniken, Pranayama genannt. Mit Pranayama gelingt es uns, den Atem zu kontrollieren (Prana = Atem, Ayam = kontrollieren, regulieren, ausdehnen, weiten).

Dazu gehören die Wechselatmung (Sukha-Pranayama, Nadi Shodhana), der kühlende Atem (Shitali-Pranayama), der Feueratem (Bhastrika-Pranayama), der summende Atem (Bhramari-Pranayama) oder der Siegesatem (Ujjayi-Pranayama).

Durch die Kontrolle des Atems regulieren wir gleichzeitig unseren Geist und versetzen das ganze System in einen Zustand tiefer Ruhe bei gleichzeitiger Wachheit. Atemübungen sind ausserdem eine hervorragende Vorbereitung für zutiefst entspannende Meditationen (z.B. die Transzendentale Meditation).

Da Atemübungen kraftvolle Instrumente für die Gesundheit sind, ist es vorteilhaft, diese Techniken bei gut ausgebildeten und erfahrenen Yogalehrern und Yogalehrerinnen zu erlernen.

Videoanleitung für Wechselatmung, vorgetragen von unserem ausgebildeten Yoga-Lehrer Gallus Bühlmann

Atmung durch die Nase – auch beim Sport

Bei körperlicher Anstrengung – beim Laufen, Bergwandern und anderen Aktivitäten – atmen wir tiefer und in kürzeren Abständen ein und aus. Die intensivere Atmung versorgt den Körper, die Muskeln und alle Zellen mit mehr Sauerstoff. Dazu beginnen wir zu schwitzen und die Haut rötet sich. Je nach Fitnesszustand geschieht dies früher oder später. Um den Körper mit noch mehr lebenswichtigem Sauerstoff zu versorgen, sind wir nun versucht, nicht nur durch die Nase, sondern zusätzlich durch den geöffneten Mund zu atmen. Laut Ayurveda ist dies ein untrügliches Zeichen für Überforderung.

Ayurvedische Experten empfehlen, dass während sportlichen Aktivitäten hauptsächlich durch die Nase ein- und ausgeatmet werden soll, da dadurch eine bestmögliche Geist-Körperkoordination aufrechterhalten werden kann.

Die Nasenatmung führt langfristig zu nachhaltig besseren sportlichen Leistungen. Wenn bei körperlicher Anstrengung nicht mehr durch die Nase geatmet werden kann, sollte die Kadenz reduziert werden, also langsamer gelaufen oder gewandert werden. Ein weiterer Vorteil der Nasenatmung ist die Erwärmung der Aussenluft und die gute Befeuchtung der Nasenschleimhaut. Beides wichtige Voraussetzungen für gesunde Luftwege und einen vitalen Körper.

Erkrankungen der Atemwege – Prävention und ayurvedische Ansätze

Bei Erkrankungen des Atemtrakts, wie beispielsweise Erkältungen, Schnupfen, Husten, Bronchitis, blockierten Nebenhöhlen etc., sind laut der ayurvedischen Sichtweise immer Vata und Kapha involviert. Vata bei kalten, trockenen, rauen Zuständen, Kapha bei Verschleimung. Oft beginnen gesundheitliche Beschwerden in den Atemwegen mit Kälte und Trockenheit (bedingt durch ein erhöhtes Vata) und entwickeln sich später zu Kapha dominierten Zuständen mit vermehrter Schleimbildung. Gerne wird eine sich entwickelnde Erkältungskrankheit mit Zugluft, tiefen Aussentemperaturen, garstigem Wetter und ungenügender Kleidung entschuldigt.

Doch der Ayurveda sieht die tiefe Ursache für Erkältungen hauptsächlich in einer unzureichenden Verdauungskraft, einem schwachen Agni.

Agni, auch als Verdauungsfeuer bezeichnet, ist für die mehrstufige Verarbeitung und Aufschlüsselung der Nahrung im Körper verantwortlich. Wenn dieser Prozess nicht einwandfrei abläuft, können sich Ablagerungen bilden, die feinste Körperkanäle (Shrotas) blockieren und die einwandfreie Funktion der körperlichen Prozesse behindern. Auch ungünstige Nahrungsmittel und Stress mit fehlenden Regenerationsphasen sind an der Entstehung von Atemwegserkrankungen beteiligt.

Ayurvedische Tipps für frei fliessenden Atem

  • Passen Sie Verhalten, Kleidung und Ernährung den wechselnden Jahreszeiten an.
  • Geben Sie morgens und abends je 1-2 Tropfen Nasenöl («Nasya-Öl» oder «Anu Thailam») oder bei sehr empfindlichen Schleimhäuten «gereiftes Sesamöl» oder «Ghee» an den Naseneingang.
  • Achten Sie auf Dosha gerechte, zur Jahreszeit passende Ernährung und eine gute Verdauungskraft.
  • Trinken Sie tagsüber regelmässig heisses Wasser in kleinen Schlucken.
  • Vertrauen Sie als Vorbeugung und bei Erkältungen auf bewährte ayurvedische Rezepturen («Prana-Rasayana», «Prana-Rasayana Liquid», «Für die kalte Jahreszeit» etc.)
  • Inhalationen mit ayurvedischem «Kräuteröl mit Minze» sind besonders wohltuend bei verstopften Atemwegen.
  • Regelmässige Spülungen der Nase mit einem speziellen Nasenspülsalz («Neti Nasenspülkännchen» und «Neti Nasenspülsalz») reinigen die Nase und befreien den Nasen- und Nebenhöhlenbereich.
  • Im kleinen Ratgeber «Das Yoga Neti Handbuch» sind noch ergänzende Hintergründe und Anwendungen beschrieben.
  • Achten Sie auf ein umfassendes Stressmanagement, das Ihnen zuverlässig hilft, Ihrem Körper und Geist regelmässig Inseln der Ruhe und Tiefenentspannung zu gönnen – damit Sie tief durchatmen können.

Auf einen Blick

  • Geist und Atmung beeinflussen sich wechselseitig.
  • Der Atem führt Körper und Geist kosmisches Prana zu.
  • Der Brustraum ist Sitz von Kapha, für die Atmung ist Vata verantwortlich.
  • Eine starke Verdauungskraft (Agni) bewahrt vor Atemwegserkrankungen.
  • Nahrungsergänzungen schon bei ersten Erkältungsanzeichen einnehmen.
  • Nasenöle befeuchten und schützen empfindliche Schleimhäute.
  • Atemübungen sind kraftvolle Instrumente für tiefe Entspannung und Gesundheit.

Prana-Rasayana

  • Kraftvolle Kräuterkombination
  • Mit Tulsi, Pippali und Ingwer
  • Stärkt Prana und Ojas
  • Ideal im Winter

Zutaten und ihre Vorteile

Der ayurvedische Begriff Prana steht für Lebensatem, Odem oder Chi. In der kalten Vata Jahreszeit verlangen die oberen Luftwege besondere Aufmerksamkeit. «Prana-Rasayana» Tabletten werden nach original ayurvedischer Rezeptur hergestellt und enthalten wertvolle Kräuter wie Tulsi, Pippali, Süssholz, Kardamom, Zimt und Ingwer. Tulsi, dem heiligen Basilikum, wird nachgesagt, dass es besonders geeignet ist für ein frei fliessendes Prana. Pippali, Süssholz, Zimt und Ingwer haben heisse und scharfe Eigenschaften, weshalb diese wärmend und wohltuend sind in der kalten Jahreszeit. Diese reichhaltige Rezeptur verringert Vata und besonders Kapha, weshalb die Tabletten ideal beim Wechsel von der warmen zur kalten Jahreszeit und zur Unterstützung von Ojas sind.

Dosierung

2x täglich 1 Tablette mit warmem Wasser.

Prana Rasyana Liquid

  • Mit Pippali und Ingwer
  • Wärmt die Atemwege
  • Reduziert Vata und Kapha
  • Ideal im Winter

Zutaten und Ihre Vorteile

«Prana Rasayana Liquid» ist ebenfalls eine original ayurvedische Rezeptur mit den gleichen wertvollen Kräutern wie in den «Prana Rasayana» Tabletten, nämlich Tulsi, Pippali, Süssholz, Zimt und Ingwer. Zusätzlich enthält «Prana Rasayana Liquid» Pfefferminze und Pistacia integerrima (eine in Asien beheimatete Pistazienart). Diese werden im Ayurveda traditionell für die Stärkung von Prana empfohlen. Die sirupartige Konsistenz des Produktes erleichtert die rasche Aufnahme der wohltuenden Kräuter und Gewürze.

Dosierung

Idealerweise in Kombination mit «Prana Rasayana» Tabletten,
3 x täglich 5 ml etwa 30 Minuten vor dem Essen.

Vorbeugend und falls Prana aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Für die kalte Jahreszeit

  • Wärmend und stärkend
  • Ideale Unterstützung im Winter
  • Ojas stärkend
  • Mit heiligem Basilikum (Tulsi)

Zutaten und Ihre Vorteile

Der Ayurveda ordnet die kalte Jahreszeit dem luftigen Vata Dosha zu. Winterliche Kälte, Trockenheit und raue Winde beanspruchen den Körper in besonderem Masse. Der Witterung besonders ausgesetzt ist der Atemtrakt mit Nase, Hals, Bronchien und Lungen. Das Nahrungergänzungsmittel «Für die kalte Jahreszeit» enthält sorgfältig ausgewählte und bewährte Kräuterkombinationen: Tulsi, Ysop, Süssholz, Pippali undschwarzer Pfeffer.

Als wichtigste Komponente gilt Tulsi, das indische oder heilige Basilikum. Tulsi werden wärmende, erhitzende Eigenschaften zugeschrieben, sodass die kalten Doshas Vata und Kapha ausgeglichen werden. Auch Ysop (Hyssopus officinalis) und Pistacia integerrima (eine in Asien beheimatete Pistazienart) werden im Ayurveda traditionell für die Stärkung von Ojas und Prana empfohlen.

«Für die kalte Jahreszeit» begünstigt die Reinigung der Shrotas und die Ausscheidung von Ama. Vata, Pitta und besonders Kapha werden besänftigt.

Dosierung

1 Tablette 2 x täglich mit warmem Wasser.

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