Sthapatya Veda oder Vastu Vidya, eine Wissenschaft, die ihren Ursprung in der vedischen Kultur Indiens hat, vermittelt umfassendes Wissen ĂĽber die Konstruktion lebensunterstĂĽtzender Gebäude. Diese Prinzipien sind unabhängig von Zeitalter, Kultur und Klima gĂĽltig. Ein Haus, das im Einklang mit den Naturgesetzen errichtet wurde, fördert Harmonie und Zufriedenheit, denn sein Energiefeld hat einen positiven Einfluss auf seine Bewohner.

 

Das Sanskrit-Wort Sthapan bedeutet erstellen oder etablieren. Seine indogermanische Wurzel stha findet sich in vielen deutschen Wörtern wieder: in Stabilität, Stadt, Stand, Statue und so weiter. Das Wort Veda steht fĂĽr Wissen oder – genauer gesagt – fĂĽr Wissen vom Naturgesetz. Sthapatya Veda bedeutet Ordnung. Bezogen auf ein Gebäude besagt dies, dass kosmische Gesetzmässigkeiten in der Gebäudestruktur verankert werden, die gleichen Gesetze, die das Universum organisieren. Dadurch hat jeder Teil des Gebäudes ein spezifisches Verhältnis zum Ganzen. Dieses Verhältnis zwischen den einzelnen Teilen und dem Ganzen erzeugt einen Gleichklang von Raum und Umwelt. Sthapatya Veda Architekten nennen diese Eigenschaften Vastu und Brahmasthan.

 

Vastu ist der Name des Bereiches innerhalb der äusseren Umgrenzungslinie (Zaun) um das Haus. Der Name stammt vom Sanskritwort Vasa ab, was so viel wie «GrundstĂĽck zum Erbauen eines Gebäudes» bedeutet.

 

Ein wichtiger Faktor ist die Wahl des richtigen Grundstücks, seine Lage und Form spielen eine entscheidende Rolle. Laut Sthapatya Veda sind quadratische und rechteckige Parzellen am günstigsten. Die Ausrichtung des Gebäudes nach den Himmelsrichtungen und die Zuhilfenahme von genauen mathematischen Messungen und Proportionen muss genauso berücksichtigt werden wie die Umgebung.

 

Die Sonne ist der stärkste Einfluss des Naturgesetzes auf der Erde. Sie erzeugt die täglichen und jahreszeitlichen Rhythmen des Lebens in all seinen Formen. Während die Sonne von Ost nach West über das Firmament zieht, strahlt sie unterschiedliche Qualitäten von Licht aus, die individuelle Einflüsse in verschiedenen Bereichen eines Hauses erzeugen. Sthapatya-Veda Gebäude sind immer so entworfen, dass diese Lichtenergien die Aktivitäten in den verschiedenen Räumen des Hauses unterstützen. Der Haupteingang des Hauses sollte im Osten sein, sodass die ersten Strahlen der Sonne Energie und Kraft bringen. Die Sonne ist Lebensspenderin, ohne sie gäbe es weder Licht noch Leben. Besonders am Morgen spendet sie positive Energien und dies wird durch Türen und grosse Fenster im Osten des Hauses unterstützt.

 

Die Ausrichtung eines Gebäudes nach Osten fördert in hohem Masse die Gesundheit und Lebensfreude seiner Bewohner. Ebenso wichtig ist die richtige Wahl des vedischen Diagramms, das jedem Bauplan zu Grunde liegt. Das vedische Diagramm definiert die richtige Ausrichtung, die richtigen Proportionen und die richtige Platzierung für jeden einzelnen Raum innerhalb eines Hauses.

 

Der Brahmasthan ist der zentrale Ort, die energetische Mitte eines Hauses. Der Brahma-Sthan repräsentiert den Ort (Sthan) der Ganzheit (Brahm), von dem aus alle anderen Räume eines Gebäudes unterstĂĽtzt werden. Er bildet das Herz und repräsentiert die Intelligenz des Hauses. Er erzeugt eine konstruktive Energie fĂĽr die Bewohner. Dieser Bereich sollte frei sein von störenden EinflĂĽssen wie StĂĽtzen oder Wände.

 

Die Elemente im Vastu Haus

In die Raumgestaltung miteinbezogen werden die fĂĽnf Elemente, die sich laut der Vastu Lehre von verschiedenen Ecken eines neuen Raumes angezogen fĂĽhlen. Sie sollen sich dort niederlassen und nicht wieder verflĂĽchtigen.

 

Erde
Der natĂĽrliche Platz fĂĽr Erde befindet sich im SĂĽdwesten eines GrundstĂĽckes oder eines Gebäudes. Die Erde ist als schwerstes Element die grösste Kraft von allen Elementen.
Die Erde ist ein riesiger Magnet, der Energien verstärkt. Die richtige Standortwahl fördert die positiven Eigenschaften der Erdenergie wie Stabilität, Ruhe und Erholung. Deshalb passen in diesen Bereich am besten die Schlafzimmer. Ein positives Erdelement stärkt die Gesundheit, das Durchsetzungsvermögen und den Wohlstand der Hausbewohner.

 

Feuer
Das Element Feuer hat seinen natĂĽrlichen Platz im SĂĽdosten eines GrundstĂĽckes oder eines Gebäudes. Dies ist der ideale Ort fĂĽr eine KĂĽche oder eine offene Feuerstelle. Das Feuerelement im SĂĽdosten unterstĂĽtzt vornehmlich die Gesundheit, positive Beziehungen, Durchsetzungsvermögen und Willenskraft.

 

Wasser
Das Wasser hat seinen natĂĽrlichen Platz im Nordosten eines GrundstĂĽckes bzw. eines Gebäudes. Wasser ist ein Sender und Energieträger. Es neutralisiert negative Energien und stärkt positive. Unausgeglichene GefĂĽhlslagen können durch Wasser besänftigt werden.
Idealerweise befindet sich ein Gewässer im Nordosten des Grundstückes, damit die positiven Energien optimal unterstützt werden. Diese Himmelsrichtung wird traditionell als die spirituelle angesehen, deshalb eignen sich hier Plätze für besinnliche Aktivitäten wie Studium oder Meditation.

 

Luft
Die Luft hat ihren natĂĽrlichen Platz im Nordwesten eines GrundstĂĽckes bzw. eines Gebäudes. Sie sorgt fĂĽr Stabilität und Harmonie, wenn sie im ganzen Haus zirkulieren kann. Da dieser Bereich Bewegung und Veränderung beinhaltet, passen hier am besten BĂĽros oder Gästezimmer.

 

Raum oder Äther
Der weite Himmel ĂĽber uns erhält seinen Platz im Mittelpunkt eines GrundstĂĽckes bzw. eines Gebäudes. Ă„ther oder Raum ist das feinste Element, der ruhende Pol, der allen anderen Elemente ihren Platz zuweist.

 

Idealerweise wird jedes Grundstück durch einen Grundstückszaun oder eine Mauer umrahmt, sodass der Raum in dem die Elemente wirken, klar definiert ist. Auch im neu angelegten Naturgarten rund um das Firmengebäude wird jedem Element anhand verschiedener Gestaltungssymbole sein passender Platz zugewiesen.