Die Doshas (Funktionsprinzipien) – Vata, Pitta, Kapha – steuern unser geistiges und körperliches Wohlbefinden.

 

Ihr Rhythmus bestimmt 24 Stunden lang unsere Energie und Leistungsfähigkeit, ebenso wie während den Jahreszeiten und in den verschiedenen Lebensphasen. Sie funktionieren wie ein Uhrwerk und geben den Takt der unzähligen kleinen und grossen Zyklen in der Natur und in unserem Körper vor. Die Doshas passen sich jeder Veränderung und Gegebenheit an, um unsere innere Harmonie aufrecht zu erhalten und unsere geistige Entwicklung zu fördern.

 

Gelingt es, unsere konstitutionsbedingten Bedürfnisse mit diesen Biorhythmen abzustimmen, befinden wir uns laut Ayurveda auf natürliche Weise im Einklang mit dem Kosmos und profitieren vom Rückenwind der Natur.

 

Entsprechend dem persönlichen Zusammenspiel der Doshas und weiterer relevanter Faktoren manifestieren sich diese Lebensphasen auf sehr individuelle Weise.

 

In der Kindheit und Jugend bis ca. 25 Jahre (Bala) ist Kapha das vorherrschende Dosha.

Der Körper befindet sich im Aufbau, vergleichbar mit dem Frühling. Das Gehirn wächst, Gewebe wird gebildet und Struktur geformt. Die Ernährung ist in dieser Phase überaus wichtig und sollte von nahrhafter, frischer Qualität sein. Kinder essen gern süss, denn es stärkt Kapha. Im Ayurveda bedeutet süss aber nicht Schokolade, Eis und Kekse, sondern Milch, Sahne, Reis, Weizen, Rüebli, Randen, Zucchini, süsse Früchte, Bananen, Mandeln und Nüsse. Kinder brauchen in dieser Hinsicht ein Vorbild im Elternhaus, sodass sie den Wert guter Lebensmittel erkennen lernen. Jedoch sollten Kinder nicht gezwungen werden etwas zu essen, was sie nicht mögen. Wichtig ist ebenfalls, dass Kinder ausreichend trinken und schlafen.

Im Erwachsenenalter bis ca. 65 Jahre (Madhya) leben wir unter der Herrschaft von Pitta-Dosha.

Diese Phase ist vergleichbar mit dem Sommer. Jeder Mensch hat in dieser Zeit grosse Ziele und Vorstellungen. Die Welt steht uns offen und wir wollen möglichst schnell, möglichst viel erreichen. Kreativität und Schaffenskraft stehen im Vordergrund, man will sich beweisen und Pläne verwirklichen. In der Aufbauzeit der Existenz befassen wir uns nicht so intensiv mit der Befindlichkeit des Körper und sprühen vor Vitalität, oft bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit. In dieser Phase kann die Anfälligkeit für Verdauungsbeschwerden, Hautprobleme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch zu viel Stress, Hitze und Säure entstehen, zunehmen. Achten Sie auf die Ernährung, denn unregelmässige Mahlzeiten, Fast-Food oder Fertiggerichte stören Agni, das Verdauungsfeuer, und erzeugen Ama in den Geweben. Vermeiden Sie säurebildende Getränke und Süssigkeiten.

 

Wenn es »heiss« hergeht, bevorzugen Sie kühlende und bittere Nahrungsmittel, süsse, reife Früchte, Salate, Gemüse und wenig Fett, vorzugsweise Ghee oder Olivenöl.

 

Trinken Sie zimmerwarmes Wasser, Pfefferminz- oder Pitta Tee, Nimm`s leicht Tee, frische Obstsäfte.

 

Vergessen Sie nicht, regelmässig auszuspannen, spazieren zu gehen, sich Zeit zu nehmen für Familie, Freunde und Hobbys. Es ist wichtig, Prioritäten zu setzen und auch einmal Nein sagen zu können. Im Charaka heisst es, dass »der übermässige Gebrauch von Zeit, Sinnen und Objekten die Hauptursache vieler Krankheiten ist.« (Charaka Samhita, Vers 54)

 

Entschlacken und regenerieren Sie Geist und Körper regelmässig mit einer Panchakarma Behandlung. Geeignete Rasayanas erhöhen die Widerstandskraft des Körpers und harmonisieren übermässige geistige Anspannung.

 

Das Alter ab ca. 65 Jahre (Jara) ist wohl am ehesten mit Spätherbst und Winter zu vergleichen.

Man erntet die Früchte seines Schaffens. Erfahrungsgemäss nimmt in diesem Lebensabschnitt Vata-Dosha zu, die Gewebe verlieren an Feuchtigkeit und die Knochen werden brüchiger. Der Körper produziert weniger Wachstumshormone, der Kapha-Anteil nimmt ab.

 

Je achtsamer wir bisher mit unserer Lebensenergie umgegangen sind, umso positiver kann sich das Alter gestalten. Vata-reduzierende Massnahmen sind jetzt besonders zu beachten. Leicht verdauliche, nahrhafte, saftige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und spezielle Rasayanas halten die Körpergewebe gesund und vital, den Geist rege und dem Leben zugewandt. Regelmässige Ölmassagen tragen zur Elastizität von Haut und Gelenken bei. Spaziergänge, Schwimmen, Wandern, Gartenarbeit, geselliges Beisammensein fördern die Lebensfreude.

 

Mit fortschreitendem Alter rückt die transzendente Ebene zunehmend in den Vordergrund und relative Ziele und Erfolge nehmen keinen so grossen Stellenwert mehr ein. Der reife Mensch strebt nach geistiger Verwirklichung und wendet sich bewusst den inneren, spirituellen Werten zu. Um Weisheit und Intuition, die Errungenschaften des Alters, bei guter Gesundheit und voller Vitalität erleben zu können, sind ayurvedische Rasayanas ein wahres Geschenk der Natur. Sie verzögern den Alterungsprozess und fördern die Bildung von gesundem Gewebe.

 

Laut Charaka Samhita gibt es zwei Arten von Rasayanas: Diejenigen, die das Altern verlangsamen und eher der Vorbeugung dienen und solche, die die Abwehrkraft und das Immunsystem gegen Krankheit stärken. Sie regenerieren und kräftigen die Organe und helfen dabei, jugendlichen Elan bis ins hohe Alter zu bewahren.