Prana ist ist die Essenz allen Lebens – sowohl makrokosmisch als auch mikrokosmisch. Eine wichtige Ausdrucksform von Prana sind unsere Nerven- und die Atemenergie. Prana ist der aktive, vitale Aspekt des Daseins, und Bewußtsein ist der ruhende Aspekt unseres Seins.
Prana wird auch als der «erste Beweger», die erste Manifestation von kosmischer Intelligenz bezeichnet. Wenn Prana beginnt, sich in eine Richtung zu bewegen, entsteht Wahrnehmung und daraus resultieren bestimmte Empfindungen und Emotionen.

Ohne Atmen kein Leben. In unserem Körper läuft der Atemprozess automatisch ab. Wir müssen nicht darüber nachdenken, wann wir atmen müssen.

Im Ayurveda bezeichnet man den Atem als Prana. Prana stammt aus dem Sanskrit und bedeutet ‚Lebensatem’ oder ‚Lebenshauch’ und meint damit die vitale Lebenskraft oder Lebensenergie. Das Wort Prana besteht aus zwei Teilen: an, was ‚atmen’ bedeutet und der Vorsilbe pra-, die ‚vor’ oder ‚vorwärts’ bedeutet.

D.h., Prana ist die feinstoffliche Energie, die bereits vor dem eigentlichen Atmen vorhanden ist und die alles in unserem Universum hervorbringt und beständig durchdringt. Sie ist die grundlegende, vorwärtsstrebende Kraft, die alle Aktivität antreibt.

Ist Prana bewegungslos, ist es reines glückseliges Bewusstsein. Sobald Prana anfängt, sich in eine Richtung zu bewegen, wird Bewusstsein zu Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeit zu Wahrnehmung und Empfindung.

Alles in unserem Kosmos benötigt Prana, um überhaupt existieren zu können. So nehmen wir Prana über die Atmung, die Haut, die Sinnesorgane aber auch über unsere Nahrung auf.

In unserem Körper bewegt sich Prana im Kopf sowie in einer Abwärtsbewegung in Richtung Hals, Herz, Lungen und Zwerchfell. Durch diese Bewegung sorgt Prana für die Einatmung.

Beginnen wir einzuatmen, filtern die Nasengänge zunächst die Atemluft. Je sauberer die Atemluft ist, um so besser kann später das Prana über die Lungen und das Herz aufgenommen werden.

Ein Teil des Pranas gelangt über die Nebenhöhlen in den Kopf. Die Nebenhöhlen sind mit allen fünf Sinnen verbunden. Wenn also die Nebenhöhlen zu wenig Prana aufnehmen, sind auch alle Sinne in Mitleidenschaft gezogen. Das Prana, das über die Nebenhöhlen aufgenommen wird, beeinflusst gleichfalls das Gehirn und unsere Denkprozesse. Zu wenig Prana im Kopf führt zu Benommenheit, Schläfrigkeit oder auch Verwirrtheit. Übererregtes Prana hingegen kann sich in Ängsten, Sorgen, Nervosität oder Unkonzentriertheit zeigen.

Sind unsere Nase und Nebenhöhlen verstopft und müssen wir dadurch durch den Mund atmen, können wir zwar wohl Sauerstoff aber kein subtiles Prana aufnehmen. Wir fühlen uns daher müde und kraftlos.

Als allem zu Grunde liegende Lebensenergie ist Prana auch die stärkste Heilkraft. Darum wollen alle Heilmethoden stets mehr Prana in den Körper leiten.

Pranayama, die Führung des Atems, ist eine sehr kraftvolle Methode des Yoga, dem Organismus mehr Prana zuzuführen und es gleichzeitig zu lenken. Pranayama öffnet die Srotas (feine Körperkanäle) sowie die Nadis (Kanäle für die feinstoffliche Energie). Es kann helfen, den Geist zu kontrollieren und Aufmerksamkeit und Wahrnehmung stärken.

Da auch unsere Nahrung dem Organismus Prana zuführt, spielt es eine wichtige Rolle, was wir essen und wie unsere Speisen zubereitet wurden.

Frische und unbehandelte Gemüse, Früchte, Getreide und Kräuter enthalten am meisten Prana, was sich in einer gesteigerten Vitalität und Gesundheit niederschlägt.

Prana ist im ganzen Körper vorhanden und wird in den verschiedenen Subdoshas (Unterteilungen der Doshas Vata, Pitta und Kapha), die u.a. das Wohlergehen des Herzens regulieren, in den ihnen zugehörigen Regionen des Körpers wahrgenommen:

  • Vyana Vata (in verschiedene Richtungen bewegend) ist zuständig für die Steuerung des Herzschlags und die Blutzirkulation, bringt Nährstoffe über die Körperkanäle zu den Geweben bis in die Haut. Es ist im ganzen Körper verteilt und vermittelt Sinnesempfindungen an die Körperoberfläche.
  • Sadhaka Pitta (erfüllend, sättigend) ist die Gefühlsseite des Herzens. Es ist zuständig für emotionale Intelligenz, ganzheitliche Erkenntnis und das Gedächtnis, das nicht vom Verstand herrührt, ausserdem für Mut, Moral, Tugend und die Kraft, die einen nicht aufgeben lässt.
  • Avalambaka Kapha (unterstützend) ist für Stärke, Struktur und Stabilität des Herzens zuständig. Sein Zentrum ist das Herz, der mittlere bis untere Rücken und die Lunge.
  • Prana Vata (vitaler Atem) ist für den Geist zuständig, es fliesst in den Nerven und ist aktiv beim Denken und Atmen. Es ermöglicht Konzentration, Gedächtnis und Intelligenz.
  • Udana Vata (nach oben bewegend) mit Sitz in der Brust und im Hals hat auch einen Einfluss auf das Herz. Es ist die Energie, die nach oben bewegt, und zwar vom Nabel aufwärts. Es vermittelt geistige Stärke, Ausdruck, Gedächtnis und Intellekt.

Prana beziehen wir aus der Natur, der Luft und den Nahrungsmitteln. Am meisten Prana können wir in den frühen Morgenstunden aufnehmen, wenn die Natur erwacht.  Zur Beruhigung von Geist, Nerven und Emotionen ist Pranayama (Atemübungen) sehr hilfreich.