Das Ölziehen ist ein einfaches, altes Hausmittel, um eine optimale Mundhygiene und effektive Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Alle medizinischen Traditionen Asiens sind sich darin einig, dass Vorbeugen besser als heilen ist. Im Ayurveda spielt daher das Ölziehen eine wichtige Rolle. Es wird seit langer Zeit nicht nur in Indien praktiziert, auch in anderen Kulturen ist es seit alters her bekannt. Ölziehen ist nicht nur für die Mundhygiene hilfreich, sondern es entfaltet seine nachhaltig gesundheitsfördernde Wirkung im ganzen Körper.

Die naturheilkundliche Theorie und Jahrtausende alte praktische Anwendung betont, dass man bei der Ölziehkur über die Mundschleimhaut den gesamten Organismus entgiftet. Dies geschieht auf vielfältige Art und Weise. Besonders Sesamöl hat eine antibakterielle, antivirale und fungizide Wirkung. Neben Bakterien, die für unsere Gesundheit nicht förderlich sind, werden auch ihre im Mund vorkommenden Abfallprodukte beseitigt.

 

Die Mundhöhle wird aber nicht nur entgiftet, sondern die Schleimhaut auch geschmeidig gehalten und gegen Erreger immunisiert. Das Ölziehen wirkt sich äusserst vorteilhaft auf die Gesundheit aus – körperlich, geistig und seelisch. Unser körpereigenes Entgiftungssystem kann Unterstützung durchaus gebrauchen, denn unbekömmliche Nahrungsmittel, Stress und Umweltgifte, denen unser Körper täglich ausgesetzt ist, strapazieren es über Gebühr. Viele Erkrankungen haben ihre Ursache in angesammelten Toxinen und Schlackenstoffen, die sich über längere Zeit im Körper abgelagert haben. Alles was der Körper wegen Überbelastung nicht wieder ausscheiden kann, lagert er zunächst im Fett- und Bindegewebe ab, später auch in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Diese «Mülldepots» stellen ein enormes Gesundheitsrisiko dar und können sich in Beschwerden wie Verdauungsstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, geschwächtem Immunsystem und nachlassender Vitalität ausdrücken.

 

Im Charaka-Samhita heisst es:
«Regelmässiges Ölziehen stärkt die Kieferknochen und die Stimme, entwickelt das Gesicht und maximalen Geschmack der Nahrung … Zähne bekommen keine Karies und werden fest verwurzelt. Es gibt weder Zahnschmerzen noch Sensibilitäten, die Zähne können selbst die härteste Nahrung kauen.»

 

Die richtige Durchführung

Die beste Zeit für Gandusha (Ölziehen) ist morgens nach dem Aufstehen, denn über Nacht sammelt sich eine Vielzahl von Bakterien, Toxinen und potentiellen Krankheitserregern im Mundraum an. Das Sesamöl sollte vorher, wie es für Massagen üblich ist, gereift werden (kurz auf 110 Grad Celsius erhitzen). Mittlerweile sind auch gebrauchsfertige Mund- und Zahnöle erhältlich. Gurgeln und spülen Sie den Mund zuerst mindestens 1 Minute lang mit warmem Wasser. Danach nehmen Sie einen Esslöffel Sesamöl (evtl. vorher im Wasserbad auf Körpertemperatur erwärmen) in den Mund und spülen für 2 – 3 Minuten. Ziehen Sie das Öl dabei kräftig durch die Zahnzwischenräume. Wenn Sie länger gurgeln und spülen wollen, wiederholen Sie den Vorgang mit neuem Öl. Durch das intensive Bewegen des Öls im Mundraum entsteht, zusammen mit Speichel, eine weissliche Emulsion. Das Öl nimmt Toxine und Ama (Schlacken) aus den Schleimhäuten auf, die sonst wieder vom Körper resorbiert würden. Halten Sie den Kopf beim Spülen leicht nach vorn gebeugt und nicht in den Nacken gelegt, da man dabei leicht etwas Öl verschlucken könnte. Am besten spucken sie das Öl anschliessend in ein doppeltes Haushaltpapier und entsorgten es im Abfall. Waschbeckenabflüsse können auf Dauer verstopfen.

 

Anschliessend spülen Sie den Mund mit warmem Wasser gründlich aus und putzen wie gewohnt die Zähne. Zuletzt reinigen Sie die Zunge sanft mit einem metallenen Zungenschaber (Zungenreiniger) und enfernen dabei den weisslich-gelben Belag.

 

Es gibt verschiedene Ölsorten, die sich für das Ölziehen eignen, z.B. Sonnenblumen-, Oliven- oder Sesamöl (wobei Sesamöl die beste entgiftende Wirkung hat). Es sollte biologisch und kaltgepresst sein, damit alle wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Mittlerweile gibt es auch einige Mundöle im Handel, die Kräuter oder ätherische Öle wie Salbei und Thymian enthalten, welche die Mundhygiene noch verbessern.

 

Sesamöl wird aus den Samen von Sesamum indicum L. gewonnen, der zu den ältesten Kulturpflanzen gehört. Man unterscheidet helles Sesamöl, das aus naturbelassenen Sesamsamen gepresst wird und dunkles Sesamöl, wobei die Samen vor dem Auspressen kurz geröstet werden. Das Öl erhält dadurch einen würzigen Geschmack, der in der asiatischen Küche sehr geschätzt wird. Im Vergleich zu anderen Ölen ist Sesamöl recht lange haltbar. Geöffnete Flaschen sollten jedoch innerhalb von drei Monaten verbraucht werden.

Sesamöl hat eine für die Gesundheit günstige Zusammensetzung an Fettsäuren und enthält viele Mineralstoffe, Spurenelemente und Lecithin. Bei den ayurvedischen Behandlungen (Massagen, Stirnguss etc.) spielt Sesamöl traditionell eine zentrale Rolle, denn es hat vielfältige Vorteile für die Gesundheit und ist ideal bei trockener, schuppiger Haut. Möchte man zum Ölziehen Sonnenblumen- oder Olivenöl benutzen, muss man damit etwas länger spülen, um den Mundraum genügend zu entgiften. Die entzündungshemmende Wirkung für das Zahnfleisch durch die Anwendung von Ölen ist an der Kieler Zahnklinik in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen worden. (Quelle: Thomas Zahorsky, Zahnarzt)

Alles Wissenswerte zum Thema Ölziehen darüber lesen Sie in dem Buch «Die Ölziehkur» von Birgit Frohn