Vorteile und Wirkung von Neem

Azadirachta indica oder Antelaea azadirachta (Latein)
Niembaum, Nimbaum, gemeiner Zedrachbaum, Indischer Flieder (Deutsch)
Nimba, Nimbah, Arishta («Krankheitserleichterer») (Sanskrit)
Nim, Neem (Hindi)

Geschichte

Der Niembaum ist eine derart aussergewöhnliche Pflanze, dass ihre Eigenschaften und umfassenden Anwendungsbereiche nur schwer zu beschreiben sind. Seine Spuren reichen weit zurück in der Geschichte; im indischen Rajasthan wurden Versteinerungen eines Niemblattes aus dem Eozän (vor 38 bis 55 Millionen Jahren) gefunden.

Heute ist der ursprünglich aus Indien stammende 8 bis 30 Meter hohe Laubbaum auch in Westafrika (eingeführt um 1920) und anderen tropischen Gegenden auf der ganzen Welt zu finden.

Der Niembaum ist sehr widerstandsfähig, seine Wurzeln können auf der Suche nach Wasser tief in die Erde eindringen, sodass er auch in trockenen Gegenden bestens überleben und gedeihen kann. Dabei kann er ein hohes Alter von 200 Jahren erreichen. Einzig Staunässe und Frost erträgt er nicht.

Neem und Ayurveda

Das ayurvedische Gesundheitssystem und die indische Kultur schätzen die Erzeugnisse des Niembaumes schon seit vielen Tausend Jahren. Dazu gehören die Wurzelrinde, die grünen Blätter, die weissen Blüten und Blütenknospen, die Stammrinde und die Samen der kleinen gelben Früchte, aus denen ein wertvolles Öl gepresst wird.

In den alten ayurvedischen Schriften werden nicht nur Anwendungsbereiche und Wirkungen für den Menschen, sondern auch solche für Tiere und Pflanzen beschrieben. Sogar sein kühlender Schatten dient Mensch und Tier, weshalb der grosse Baum mit den ausladenden Zweigen in Indien gerne als Alleebaum angepflanzt wird. In ländlichen Gegenden Indiens wurde der Niembaum hinter vielen Häusern als stets verfügbare Hausapotheke angepflanzt.

Die Pflanzenteile des Niembaumes haben einen bitteren und herben Geschmack und eine leichte, trockene Eigenschaft. Der Geschmack nach der Verdauung ist scharf und die Wirkung kühlend. Daher gelten sie im Ayurveda als Pitta und Kapha reduzierend.

Zum bitteren und herben Geschmack kommt sein eigentümlicher Geruch, der aufgrund der enthaltenen Schwefelverbindungen kaum einer Nase schmeichelt.

Vorteile von Neem

Doch genau hier liegt ein herausragender Vorteil von Neem: Auch Parasiten, Viren, Bakterien und Pilze, die das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen beeinträchtigen, mögen Duft, Geschmack und Wirkungsfeld von Neem-Erzeugnissen nicht. Daher hat diese Pflanze eine ausserordentlich grosse Bedeutung in der natürlichen Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Schon früh wurden in Indien Niemblätter in Getreidebehälter, Schränke, Betten und sogar zwischen Buchseiten gelegt, um Schadinsekten abzuwehren. Ebenso wurden Getreidesäcke vor dem Gebrauch mit Neemöl getränkt. Auch Bauholz des Niembaumes wird von Termiten gemieden.

Wirkungen von Neem

Die antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften von Neem werden auch in der Körperpflege seit Urzeiten genützt. Frische Zweige dienen dabei als wirkungsvolle und kostengünstige Zahnbürsten. Neemseifen, Neemöl, Lotionen, Tinkturen, Cremen und Zahnpasten mit Extrakten von Azadirachta indica werden zunehmend auch in westlichen Ländern geschätzt. Der gewöhnungsbedürftige, unangenehme Geruch der Pflanze lässt sich mildern, indem den Erzeugnissen einige Tropfen ätherisches Öl wie Lavendel oder Teebaum beigemischt werden. Industriell hergestellte, moderne Naturkosmetikprodukte (mit Niemblättern oder Niemöl) duften jedoch auch für europäische Nasen fein.

Grosses Interesse an Neemprodukten bekunden auch Gärtner*innen, die damit ihre Pflanzen vor Schädlingen und Pilzbefall schützen sowie Tierhalter*innen, die ihre Lieblinge erfolgreich damit behandeln.

In der traditionellen Medizin Indiens und im Ayurveda hat der Niembaum mit seinen wertvollen Bestandteilen schon sehr lange eine besonders grosse Bedeutung in der Gesundheitsvorsorge und der Behandlung von Krankheiten. Die Anwendungsbereiche umfassen den ganzen Menschen, vom Kopf über die Atemorgane, die Verdauungsorgane, Fortpflanzungsorgane (Geburtenkontrolle) bis zu Irritationen der Haut.

Herstellung von Neem Produkten

Die Herstellung von Erzeugnissen des Niembaumes erfolgt mittels dreier Methoden:

  • Durch Wasserextraktion, wobei die gemahlenen Kerne über Nacht in Wasser eingelegt und anderntags durch Filtration wieder entfernt werden.
  • Durch Kaltpressung der geknackten Kerne, woraus das Neemöl gewonnen wird.
  • Durch Alkoholextraktion, wobei sich die Inhaltsstoffe besonders gut lösen.

Anwendung von Neem

Vorsicht!

Neemprodukte sollen niemals dem Sonnenlicht und hohen Temperaturen ausgesetzt werden, da sie dabei ihre wertvollen Eigenschaften verlieren. Deshalb dunkel und kühl lagern. Neemöl hat übrigens wie Kokosöl eine feste Konsistenz und wird erst über 25°C flüssig.

Innerlich angewendet dürfen nur die Produkte, welche als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden (Neem, Bio – ayurvedisches Nahrungsergänzungsmittel).

Neemöl, Bio wie auch Neemblätter-Tinktur dürfen bei Mensch und Tier nur äusserlich angewendet werden!

Ayurvedische Eigenschaften

Bezogen auf getrocknete Wurzelrinde, Blüten, Blätter, Stammrinde:

  • Geschmack (Rasa): bitter, herb
  • Eigenschaft (Guna): leicht, trocken
  • Wirkkraft (Virya): kühlend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): scharf
  • Stoffwechselenergie: stärkt Agni
  • Wirkung auf die Doshas:  Pitta und Kapha