Myristica fragrans Houtt. (Latein)
Muskatnuss (Deutsch)
Jati, Jatiphalah (Sanskrit)

Welches Gewürz kann sich schon rühmen, dass für seine Verarbeitung ein eigenes Gerät erfunden wurde? Nun ja, die Pfeffermühle kennt jeder, steht sie doch auf den meisten Esstischen bereit. Etwas weniger bekannt ist eine längliche, metallene Raspel mit flacher Unterseite mit einem tunnelartigen Gewölbe und scharf ausgefransten Löchern und auf der oberen Seite. Hängt man dieses Gerät an die Wand, so bildet ein halbrunder Deckel den oberen Abschluss. Darin, sorgsam verstaut, liegen exakt zwei hellbraune, harte Nüsse – Muskatnüsse. Allzeit bereit, frisch gerieben eine Mahlzeit zu verfeinern.

Myristica fragrans stammt ursprünglich aus Banda, einer Gruppe kleiner Inseln der Molukken (Indonesien). Ein einheimisches Sprichwort lautet «Muskatnuss muss die See riechen».

Im 12. Jahrhundert wurde Muskat auch in Europa bekannt. Eine Kostbarkeit, die von den damaligen Apothekern mit Vorsicht behandelt wurde. Muskat diente aus medizinischer Sicht lediglich als Schlaf- und Beruhigungsmittel. Der Wert dieser Nuss stieg jedoch stetig und im 14. Jahrhundert war Muskat fast so teuer wie Pfeffer. Ein Pfund Muskat kostete so viel wie drei Schafe oder eine Kuh! 1512 erreichten die portugiesischen Seefahrer die Gewürzinseln mit dem Ziel, den Handel von Muskat und der Muskatblüte zu beherrschen. Erst später gelang es den Holländern, Franzosen und Briten, Muskatnussbäume zu stehlen und in ihren eigenen Kolonien anzubauen. Über Sri Lanka kam Muskat wohl auch nach Indien, in den Bundesstaat Tamil Nadu.

Myristica fragrans ist ein immergrüner 5-20 m hoher Baum mit grünlich-grauer bis olivfarbener Rinde und länglichen Blättern. Von März bis Juli bilden sich gelblich-weisse Blüten, aus denen sich gelbe Früchte entwickeln. Darin verborgen liegt die Muskatnuss, die im botanischen Sinn jedoch keine Nuss, sondern ein Samenkern ist. Eingehüllt ist dieser Kern in einen dekorativen, rötlichen Samenmantel, welcher - ebenso wie die Muskatnuss - in der Küche Verwendung findet. Bekannt ist er als getrocknete Muskatblüte oder Macis.

Der bittere und scharfe Geschmack sowie die erhitzende Wirkkraft gleichen nach ayurvedischem Verständnis Vata und Kapha aus und vermehren Pitta. Ob als harmonisierende Substanz im Ayurveda oder als aromatische Zutat von salzigen oder süssen Gerichten, eines bleibt immer gleich: Muskat wird überall in ganz kleinen Dosen verwendet, eine Prise davon genügt, ganz so, wie es uns schon die mittelalterlichen Apotheker vormachten.

Ayurvedische Eigenschaften:

  • Geschmack (Rasa): scharf, bitter
  • Eigenschaft (Guna): leicht, scharf
  • Wirkkraft (Virya): erhitzend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): scharf
  • Wirkung auf die Doshas: beruhigt Vata, reduziert Kapha und vermehrt Pitta

 

Quellen:
Schrott/Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin, Springer Verlag, 2012

Trott Wells: Zauber der Gewürze, Werd Verlag, 1997