Wenn im Spätherbst die scharfen Winde auch das letzte, bunte Blatt von den Bäumen gefegt haben und anfangs Dezember der Samichlaus wie jedes Jahr aus dem Winterwald schreitet, um bei den Kindern anzuklopfen, sind die wärmeliebenden Zugvögel schon längst in mildere Länder gereist und die Murmeltiere schlafen tief und fest in ihren Erdhöhlen.

Doch was tut der Mensch? Wie eh und je hetzt er von einer Tätigkeit zur anderen, immer auf der Suche nach Erfolg, Erfüllung und Glück.

Während der intensiven Vorbereitung auf die anstehenden Festtage mit ihrem gedrängten Programm fehlen oftmals Ruhe und Entspannung für sich selbst. Viele Menschen erfreuen sich an der glitzernden Lichterpracht und lieben die Weihnachtszeit, während sich andere mit der kalten, dunklen Jahreszeit schwertun und sich überlastet fühlen.

Im Herbst und Winter dominiert nach ayurvedischem Verständnis das Vata Dosha mit seinen kalten, trockenen, rauen und beweglichen Qualitäten. Da der Ayurveda als umfassendes Gesundheitssystem immer auf Ausgleich bedacht ist, empfehlen sich nun Wärme, Flüssigkeit, Öligkeit und Ruhe. Auch auf der mentalen und emotionalen Ebene gilt es, sorgsam mit seinen Gedanken und Gefühlen umzugehen, denn sie haben einen direkten Einfluss auf unsere Befindlichkeit und letztlich auf unsere Gesundheit.

Um in der kalten, dunklen Jahreszeit körperlich und emotional gesund zu bleiben, betont der Ayurveda die besondere Bedeutung eines gut funktionierenden Agnis. Agni ist die Verdauungskraft, die dafür sorgt, dass die Nahrung vollständig aufgeschlossen und schliesslich in Ojas – das feinste Stoffwechselprodukt im Organismus – transformiert werden kann. Ojas balanciert die Doshas und sichert die subtile Verbindung zwischen Bewusstsein und Materie. Ojas verleiht uns Strahlkraft, schenkt Lebensfreude und ein starkes Immunsystem.

Neben Nahrungsmitteln von hoher Qualität, die frisch gekocht und mit Vata ausgleichenden Gewürzen und Ghee verfeinert worden sind, ist es ratsam, sich jeden Tag genügend Ruhe und Entspannung zu gönnen. Dazu gehören regelmässige Schlafenszeiten, aber auch tägliche, leichte Aktivität an der frischen Luft. Licht, selbst die dünnen Strahlen der Wintersonne, dringen über die geschlossenen Augenlider in unseren Körper, bringen Heiterkeit und vertreiben vielleicht sogar trübe Gedanken.

Bestens bewährt haben sich tägliche ayurvedische Massagen, auch Selbstmassagen, mit Vata Massageöl oder warmem Sesamöl. Das erwärmte Öl, in Verbindung mit liebevollen Massagebewegungen, hüllt uns schützend ein und trägt zu Wohlbefinden und einer stabilen Gesundheit bei.

Yoga- und Atemübungen, sowie regelmässige Meditationen (z.B. Transzendentale Meditation) bilden Ruheinseln im oftmals überfüllten Alltag. Es lohnt sich, diese in die persönliche Tagesroutine einzubauen.

In den traditionellen Rezepturen des Ayurveda finden sich ganz spezifische Rasayanas, die neben der körperlichen auch die mentale und emotionale Gesundheit fördern. Dazu gehören u.a. Amrit Kalash, Chyavanprash, Vata-Balance und Kapha-Balance.

Ayurvedische Tipps für mentale und emotionale Gesundheit in der dunklen Jahreszeit:

  • Regelmässige Schlafenszeiten
  • Ausreichend Nachtschlaf
  • Tägliche Ölmassagen (Abhyanga)
  • Yoga und Meditation
  • Frisches, warmes, öliges Essen
  • Wärmende Gewürze
  • Warme Getränke (Vata Tee, Ingwer Tee etc.)
  • Bewegung, leichter Sport in der Natur
  • Sonnen- und Lichtbäder im Freien
  • Beschäftigung mit erfreulichen (sattvischen) Themen
  • Austausch mit lebensfrohen Menschen
  • Angepasste Ruhepausen
  • Mit eigenen Grenzen achtsam umgehen

Und noch ein Hoffnungsschimmer:

Nach der Wintersonnenwende (2019 am 22. Dezember) ist es jeden Tag wieder ein bisschen länger hell! Freuen wir uns darüber und geniessen derweil alles, was uns nur der Winter bieten kann.