Der Wechsel der Jahreszeiten, besonders vom Herbst zum Winter und dann zum Frühling, erhöht im Allgemeinen die Erkältungsgefahr. Der Körper funktioniert in jeder Jahreszeit anders und in den Übergangsphasen von heiss zu kalt ist Agni, das Verdauungsfeuer, oft sehr instabil.

Passt man in diesen Zeiten des jahreszeitlichen Wechsels seine Essgewohnheiten an und stellt die Tagesroutine entsprechend um, beugt man der Ansammlung von Stoffwechselschlacken (Ama) in den Geweben vor und bietet somit eine geringere Angriffsfläche für Krankheitserreger.

Die Immunstärke des Organismus’ gegenüber Krankheiten wird im Ayurveda Vyadhi Ksamatva (Widerstandskraft gegenüber Krankheiten) oder Bala (Kraft, Stärke, Vitalität) genannt. Wobei damit nicht nur die körperliche Widerstandskraft gemeint ist, die die westliche Medizin mit Immunität verbindet. Sondern vielmehr auch die geistige und spirituelle Kraft des Menschen, Dingen und Situationen zu begegnen, ihnen zu widerstehen oder sie durchzustehen.

Gutes Agni = höheres Ojas = gutes Immunsystem

Laut Ayurveda hängt die Stärke des Immunsystems mit der Qualität der Verdauung zusammen. Eine gutes Agni (Verdauungskraft) bewirkt ein höheres Ojas und damit eine bessere Immunität.

Im Ayurveda unterscheidet man drei Arten von Immunität.

  1. Sahaja Bala – natürliche oder angeborene Immunität
  2. Kalaja Bala – Immunität in Abhängigkeit von Tageszeit, Jahreszeit und Alter
  3. Yuktikrita – Erworbene Immunität

Die natürliche oder angeborene Immunität ist die Kraft des Immunsystems, die man geerbt hat. Ist sie eher schwach, sollte man besonders mit Tagesroutine, Ernährung und evtl. Einnahme von Rasayanas die Abwehrkräfte zu stärken.

Die Stärke des Immunsystems steht ebenfalls im Zusammenhang mit der Tages- und Jahreszeit sowie dem Alter. Am Morgen fühlt man sich grundsätzlich, selbst wenn man krank ist, stärker und vitaler. Ebenso im späteren Frühling und Frühsommer bzw. im jungen und mittleren Alter.

Die erworbene Immunität sind die Abwehrkräfte, die man durch seinen Lebensstil (Tagesroutine, körperliche Betätigung), die Einnahme von Rasayanas und das Ersetzen von ungesunden Nahrungs- und Genussmittel durch gesunde Lebensmittel.

In der kalten Jahreszeit steht die Stärkung des Immunsystems und der Widerstandskraft an oberster Stelle. Von Mitte Oktober bis Mitte Februar sollte eine Vata-ausgleichende Tagesroutine und Ernährung befolgt werden.

Dazu gehören:

  • alle sechs Geschmacksrichtungen bei jeder Mahlzeit, besonders aber süss, sauer und salzig
  • Warme, frisch zubereitete Mahlzeiten mit aromatischen Gewürzen wie Kreuzkümmel, Ingwer, Schwarzer Pfeffer, Fenchel, Zimt und Koriander
  • Ausserdem Reis und Couscous, süsse, saftige Früchte, am besten leicht gedünstet und mit Kardamom verfeinert, Mung Dal, Zucchetti, Kürbis, Süsskartoffeln, Karotten, Fenchel, grüne Bohnen und frischer Panir, Ghee und Olivenöl.

Genaue Empfehlungen für eine Vata-reduzierende Ernährung finden Sie hier.

Im Winter sollte man nicht fasten

Kalte Gerichte und Getränke sowie Fastenperioden sind in er kalten Jahreszeit zu vermeiden, weil dadurch das Verdauungsfeuer geschwächt wird und  sich Ama (Stoffwechselschlacken) ansammeln kann. Zu anderen Jahreszeiten ist Reinigung und Entschlackung förderlich, aber im Winter sollte der Körper mit guter Ernährung und Rasayanas unterstützt werden.

Im Winter ist das Verdauungsfeuer stärker und wir haben mehr Hunger. Dies soll nicht zu sorglosem Schlemmen von schweren Mahlzeiten verführen, die Ama bilden und das Immunsystem eher beeinträchtigen.

Regelmässiger sanfter Ausdauersport, Yoga und Bewegung an der frischen Luft tragen zusätzlich zur Stärkung des Immunsystems bei.

Besänftigende Klänge und Aromen wie Sandelholz, Zimt, Lavendel, Jasmin und Weihrauch beruhigen das Nervensystem, erleichtern das Einschlafen und gleichen Vata aus. In der dunklen Jahreszeit, die uns mit vielen Festen, Kerzenschein und wohliger Wärme verwöhnt, bringt gemütliches Zusammensein mit Familie und Freunden Freude und vertreibt die oft trübe Stimmung des Winters.