Wie schnell man sich doch eine Erkältung holt: ein kalter Luftzug, ein niesender Sitznachbar im Bus, eine schniefende Arbeitskollegin… und schon kratzt es im Hals, juckt es in der Nase und pocht es im Kopf!

Ganz so einfach ist die Sache aus ayurvedischer Sicht nicht. Wenden wir uns einmal unserem meist zuverlässig arbeitenden Immunsystem zu.

Der Ayurveda versteht den Menschen als untrennbare Einheit von Körper, Geist und Seele. Keine gesundheitliche Störung geschieht nur auf einer einzigen Ebene. Analog dazu sind auch alle drei Bereiche gemeinsam für ein starkes Immunsystem verantwortlich.

Den drei ayurvedischen Funktionsprinzipien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha begegnen wir auch beim Thema Immunsystem.

Das Vata Dosha setzt sich aus den Elementen Luft und Raum zusammen und gilt als das führende Dosha. Das Pitta Dosha besteht hauptsächlich aus dem Element Feuer und ein wenig Wasser. Dem Kapha Dosha zugehörig sind Erde und Wasser.

Wenn wir uns nun das vorherrschende Wetter im späten Herbst, im Winter und zu Beginn des Frühlings vergegenwärtigen - kalt, feucht und windig - verstehen wir, weshalb hauptsächlich Menschen mit hohen Vata- und Kapha Anteilen zu Erkältungskrankheiten neigen. Pitta Typen mit ihrer natürlichen Wärme sind hier besser geschützt. Da das Vata Dosha das dominante Dosha ist, können Vata Störungen schnell auch das Pitta und das Kapha Dosha ungünstig beeinflussen.

Neben Kälte und rauen Winden können noch weitere ungünstige Faktoren für ein Vata Ungleichgewicht verantwortlich sein: u.a. Stress, psychische Probleme, falsche Ernährungsgewohnheiten, übermässiges Denken und Reden, zu wenig Ruhe und Schlaf. Durch ein gestörtes Vata Dosha, dessen Sitz im Darm ist, nimmt dessen Trockenheit zu und schwächt dadurch die Abwehrkraft.

Auch das Kapha Dosha bestimmt massgeblich unsere Immunität. Bei nassem und kalten Wetter nimmt Kapha auch in unserem Körper zu, die Schleimhäute produzieren mehr Schleim, der von Viren und Bakterien gerne als Nährboden genutzt wird.

Ungleichgewichte des Pitta Doshas treten dagegen häufiger in der heissen und feuchten Sommerzeit auf oder wenn sich eine schlecht ausgeheilte Erkältung zu entzündlichen Krankheiten (z.B. Angina, Stirnhöhlenentzündung) entwickelt.

Mit unserer Ernährung und unserem Verhalten tragen wir wesentlich zu einer starken Verdauungskraft bei. Agni, das ayurvedische Verdauungsfeuer, spielt deshalb eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Ein geschwächtes Agni verdaut die Nahrung nicht vollständig und die verschiedenen Körpergewebe (Dhatus) können nicht mehr ausreichend versorgt werden. Unvollständig verdaute Nahrung führt ausserdem zu Stoffwechselrückständen (Ama), welche auch feinste Körperkanäle verstopfen können. Und bei geschwächten Organen haben Krankheitserreger leichtes Spiel.

Da kommt dem Körper eine sich anbahnende Erkältung gerade recht! Bei angemessenen Strategien kann eine Erkältung sogar als Heilprozess angesehen werden, denn der Körper erfährt Ruhe und angesammelte Giftstoffe werden ausgeschieden.

Fiebrige Erkältungskrankheiten in drei Phasen:

  1. Phase: Zu Beginn der Krankheit bläst der stürmische Vata-Wind ins Verdauungsfeuer Agni. Diese trockene Hitze gelangt über die Körperkanäle vom Körperinnern an die Oberfläche. Schleimhäute und Organe sind noch nicht betroffen.
  2. Phase: Nun eilt das gutmütige Kapha Dosha zu Hilfe und will durch Schweissabsonderung Kühlung verschaffen. Stoffwechselschlacken können dadurch ausgeschieden werden.
  3. Phase: (Falls es überhaupt dazu kommt) Die Erkältung manifestiert sich durch den Einfluss des Pitta Doshas in Bronchitis, Mittelohrentzündung, Angina oder andere entzündliche Infektionen.

Therapeutische Massnahmen:

  • Auch wenn der Körper Sie nicht gleich ins Bett zwingt, gönnen Sie sich vermehrt Ruhe und Entspannung.
  • Reduzieren Sie Ihre sportlichen Trainingseinheiten für ein paar Tage.
  • Gönnen Sie sich genügend Wärme.
  • Trinken Sie 20 Minuten lang gekochtes, heisses Wasser tagsüber in kleinen Schlucken.
  • Ein paar Scheiben mitgekochten frischen Ingwer unterstützen die ausleitende Wirkung.
  • Essen Sie leichte, frisch gekochte, vegetarische Mahlzeiten.
  • Bittere Gemüse und scharfe Gewürze helfen, bald wieder gesund zu werden.
  • Milchprodukte und saure Lebensmittel sollten für ein paar Tage gemieden werden, da sie Verschleimung und Entzündungen fördern können.
  • Bei Appetitlosigkeit darf der Patient auch ein paar Tage lang fasten und sich nur von warmen, flüssigen Speisen ernähren.
  • Das Einreiben des Brustbereichs mit gereiftem Sesamöl kann bei Unterkühlung oder Frösteln bei Fieber helfen, Schleim und Husten zu lösen.
  • Bei starkem Fieber und grosser Hitze hat Ghee kühlende Wirkung, wenn es auf Stirn und Brust aufgetragen wird.
  • Ein Kopfdampfbad mit ein paar Tropfen ayurvedisches Kräuteröl mit Minze, Eukalyptus-, Lavendel- oder Thymianöl verspricht Linderung bei verstopften Atemwegen.
  • Auch eine Nasendusche mit Salzwasser kann helfen.

Prävention:

  • Präventiv empfiehlt der Ayurveda, die empfindliche Nasenschleimhaut regelmässig mit 1-2 Tropfen Sesamöl, Nasya Öl oder Anu Thailam zu befeuchten.
  • Für ein warmes, wohliges Körpergefühl sorgen regelmässige Massagen mit gereiftem Sesamöl, die auch leicht alleine durchgeführt werden können.

Eine ihrem Typ und der aktuellen Jahreszeit entsprechende Ernährung und eine ausgeglichene Tagesroutine unterstützt Ihre Doshas und stärkt Ihr Immunsystem. Da mag husten wer will…