Syzygium aromaticum (Linn.) (Latein)
Gewürznelkenbaum (Deutsch)
Lavanga, Devkusumam («Götterblume») (Sanskrit)

 

Im berühmten Schlaflied von Johannes Brahms «Guten Abend, gut’Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck…» werden duftende Rosen und Nelken besungen. Die Nelkenblüten sollen ihren Namen in Anlehnung an die ähnlich riechenden Gewürznelken erhalten haben. Und diese wiederum bekamen ihre Bezeichnung vom niederdeutschen Wort «Negelkin», welches die Blütenstände der Gewürznelke mit der Form kleiner Nägel vergleicht. Dies verdeutlicht auch, dass Nelkenblumen und Gewürznelken zwei ganz verschiedene Pflanzen sind, auch wenn beide gelegentlich als «Nelken» bezeichnet werden.

 

Die bitter-scharfen Nelken entstammen dem in tropischen Regionen Indiens und Sri Lankas wachsenden Gewürznelkenbaum. Er wird 10 bis 14 m hoch, seine immergrünen Blätter sind dunkelgrün, und seine Blütenstände entwickeln sich an den Spitzen der Zweige. Sobald sich diese Blütenknospen rötlich zu verfärben beginnen, werden sie in unreifem Zustand gepflückt und getrocknet. Dadurch ändert sich die Farbe in ein mittleres Braun. Wer eine einzelne Gewürznelke näher betrachtet, dem fällt der kantige Stil mit den vier spitzen Kelchblättern auf, die gemeinsam eine kleine, runde Knospe tragen.

 

Der Duft nur schon einer einzigen Gewürznelke ist beeindruckend. Ihr betörendes Aroma, das vom römischen Dichter Plinius in Europa erstmals beschrieben wurde, löste einen regen Handel mit diesem kostbaren Gewürz aus. Die Portugiesen umsegelten als erste den afrikanischen Kontinent und kamen 1512 in der Heimat der Gewürznelken – auf den Gewürzinseln (Molukken) in Indonesien – an. Auch die Nelke stand, ebenso wie andere kostbare Gewürze, lange Jahrhunderte im Mittelpunkt dramatischer Geschehnisse rund um Gier, Macht, Brutalität und Unterdrückung.

 

Aufgrund des bitteren und scharfen Geschmacks dieser getrockneten, braunen Blütenknospen, ihrer leichten und scharfen Eigenschaft und ihrer kühlenden Wirkkraft, spricht der Ayurveda von einer Pitta und Kapha reduzierenden Wirkung. Zustände, die sich in entzündlichen Reaktionen (z.B. im Mundraum) zeigen, werden besänftigt, indem das Feuerelement Pitta gekühlt und harmonisiert wird. Andererseits regt die scharfe Eigenschaft der Gewürznelken das Verdauungsfeuer Agni an und vermag die Shrotas (Körperkanäle) zu klären. Dies unterstützt nach ayurvedischem Verständnis den Abbau von überschüssigem Kapha. So finden wir Gewürznelken oft in Produkten, die der Zahngesundheit und einem frischen Atem dienen und in spezifisch Pitta reduzierenden ayurvedischen Rezepturen.

Der Medizingeschichte entnehmen wir zudem, dass Ärzte während der Behandlung von Kranken in Zeiten von Pest und Cholera zu ihrem eigenen Schutz aufgereihte Gewürznelken um den Hals getragen haben sollen. Auch in der frühen Zahnmedizin spielten sie traditionell eine wichtige Rolle, sowohl als Desinfektionsmittel wie auch zur Schmerzlinderung.

Im Gewürzschrank kennen wir die Nelken als unverzichtbaren Bestandteil von Lebkuchengewürzen und anderen alten Backrezepten sowie in indischen und ayurvedischen Gerichten wie Currys Currys.

Besonders hübsch sieht es aus (vor allem zur Weihnachtszeit), wenn man eine Orange dicht mit Gewürznelken besteckt. Der aromatische Duft erfüllt den gesamten Raum und hält lange an.

In aufgeschnittene Zitronen gesteckt, sollen Nelken zudem unliebsame Insekten abhalten. Die getrockneten Blütenknospen vermögen Flüssigkeit aus der Zitrone zu ziehen, was einen intensiven Duft auslöst. Wespen und Stechmücken mögen diesen Geruch nicht und meiden den so dekorierten Esstisch.

 

Ayurvedische Eigenschaften:

(bezogen auf die getrockneten Blütenknospen)

 

  • Geschmack (Rasa): bitter, scharf
  • Eigenschaft (Guna): leicht, scharf, ölig
  • Wirkkraft (Virya): kühlend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): scharf

 

Wirkung auf die Doshas:

 

Ayurveda Produkte, die Gewürznelken enthalten: