In den ayurvedischen Lehrbüchern werden die wohltuenden Wirkungen des Abhyanga, «die liebenden Hände», wie folgt beschrieben:

  • Es löst Anspannung und hat einen positiven Effekt auf das Vata-Dosha.
  • Es verleiht eine gesunde Ausstrahlung und leuchtende Haut, die nicht trocken oder rau ist.
  • Es verbessert die Blutzirkulation und beruhigt gereizte Haut.
  • Es stärkt die körperliche Vitalität und Ausdauer.
  • Es fördert ein straffes Muskelgewebe.
  • Es wirkt dem Alterungsprozess entgegen.

Nehmen Sie sich dafür morgens vor dem Duschen oder Baden eine Viertelstunde Zeit und geniessen Sie die angenehme Wirkung auf Ihren Körper und Geist während des ganzen Tages.
Dazu ein Zitat aus dem ayurvedischen Lehrbuch Charak Samhita: «Die Anwendungen von Ölmassagen (Abhyanga) führen zu einem sanften, flexiblen, starken und anziehenden Körper. Sie sind äusserst vorteilhaft für die Haut und sollten daher regelmässig durchgeführt werden.» Besonders empfohlen werden regelmässige Kopfmassagen mit Öl. Im Charak Samhita heisst es:
«Wird eine regelmässige Ölmassage im Kopfbereich durchgeführt, stärkt dies Haare und Haarwurzeln; die natürliche Haarfarbe wird bewahrt und die Gesichtshaut dankt es mit strahlender Schönheit; alle Sinnesorgane werden geschärft; ein erholsamer Schlaf und emotionale Ausgeglichenheit werden gefördert. Probleme wie Kopfschmerzen, Haarausfall oder graue Haare werden nicht auftreten.» Ölmassagen haben einen besänftigenden Effekt auf das Nervensystem und damit besonders auf das Vata-Dosha, daher sind sie besonders für Menschen geeignet, die oft nervös sind oder ständig unter Stress stehen.

Bei einer ayurvedischen Ölmassage geht es nicht um ein kräftiges Massieren des Muskelgewebes, sondern darum, Körper und Geist durch harmonisierende Öle ein tiefes inneres Gleichgewicht zu schenken. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, das Öl mit sanften Bewegungen auf der Haut zu verteilen und sorgfältig zu verstreichen, damit es gut einziehen kann.

Vorbereitungen
Die Massage kann im Stehen oder Sitzen durchgeführt werden. Nehmen Sie ein grosses Handtuch als Unterlage, um Ölflecken auf dem Boden zu vermeiden und sorgen Sie für eine angenehm warme Raumtemperatur. Idealerweise sollte das Öl etwas über Körpertemperatur vorgewärmt sein. Geben Sie dazu den Behälter, in dem Sie das Öl aufbewahren (Glas- oder Plastikflasche), für kurze Zeit in ein heisses Wasserbad.

Anleitung zur Ölmassage
Die gesamte Massage sollte mit wenig Druck ausgeübt werden. Massieren Sie langsam und gleichmässig. Geben Sie das Öl entweder direkt auf die Haut oder erst in die Handfläche und verteilen es dann. Halten Sie die Hand dabei wie eine Schale und lassen Sie den Daumen angelegt. Massieren Sie mit der ganzen Hand - nicht nur mit Fingerspitzen oder Handfläche. Am Ende sollte ein dünner Ölfilm den gesamten Körper bedecken. Sollten Sie einmal nur wenig Zeit haben, ist es besser, die Massage etwas zu kürzen, anstatt Sie ganz ausfallen zu lassen. Massieren Sie dann nur Kopfhaut, Ohren und Fusssohlen.

1. Beginnen Sie mit der Massage des Kopfbereiches. Massieren Sie die Kopfhaut mit kleinen, kreisenden Bewegungen. Lassen Sie sich dafür genügend Zeit. Anschliessend massieren Sie die Ohren und das Gesicht. Bei den Ohren sollten Sie ganz besonders sanft vorgehen. Tauchen Sie Ihre Fingerspitzen in das Öl und massieren Sie Ihre Stirn von der Mitte ausgehend in kreisenden Bewegungen nach aussen. Streichen Sie anschliessend das ganze Gesicht von der Mitte ausgehend nach aussen hinauf aus - über die Stirn, unter und über den Augen, von der Nase über die Wangen, die Lippen und das Kinn. Beenden Sie die Gesichtsmassage mit einer sanften Streichbewegung von der linken Unterkieferseite zur rechten Unterkieferseite und umgekehrt. Danach geben Sie mit der Fingerkuppe des kleinen Fingers oder des Ringfingers einen Tropfen Öl in jedes Ohr und Nasenloch. Sie können nun mit beiden Händen Öl über den ganzen Körper verteilen, um ihm genügend Zeit zu geben, in die Haut einzudringen.

2. Massieren Sie nun Hals und Schultern.

3. Als nächstes behandeln Sie Arme, Hände und Finger. Massieren Sie die langen Knochen mit langen Auf- und Abwärtsbewegungen und die Gelenke mit kreisförmigen Bewegungen im Uhrzeigersinn.

4. Brust- und Bauchbereich sollten sehr sanft massiert werden. Kreisende Bewegungen von der Mitte des Brustkorbs nach aussen, sanfte Auf- und Abbewegungen über dem Brustbein. (Frauen massieren um die Brüste herum) Massieren Sie mit der ganzen Hand den Bauch mit langsamen, kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn - der Nabel als Mittelpunkt.

5. Den Rücken massieren Sie, so weit es Ihnen möglich ist. Hier können Sie ruhig etwas mehr Druck ausüben. Das Gesäss nicht vergessen.

6. Auch die Beine können etwas kräftiger massiert werden und zwar in derselben Weise wie die Arme: Gerade an den langen Knochen und kreisend an den Gelenken.

7. Zuletzt massieren Sie ausgiebig Füsse und Fusssohlen. Rubbeln Sie kräftig die Zehenzwischenräume und ziehen jeden Zeh einzeln nach vorne. Ihr Körper sollte nun gleichmässig von Kopf bis Fuss mit einer Ölschicht bedeckt sein. Wenn zeitlich möglich, lassen Sie das Öl mindestens 15-20 Minuten auf der Haut, damit es gut einziehen kann.

Duschen Sie das Öl mit angenehm warmem Wasser ab. Verwenden Sie eine ph-Wert neutrale und besonders milde rückfettende Seife, um die Wirkung des Abhyanga nicht zu zerstören. Durch die warme Dusche werden die Körperkanäle (Shrotas) erweitert und die durch die Massage gelösten Ablagerungen ausgeschieden. Rubbeln Sie sich nach dem Duschen sanft ab, um einen leichten Ölfilm auf der Haut zu behalten, der Vata reguliert und die Muskeln wärmt.

Bei Erkältungskrankheiten und Verdauungsbeschwerden lassen Sie die Ölmassagen vorübergehend aus. Frauen sollten während der ersten drei Tage der Periode keine Ölmassagen durchführen. Haben Sie einmal wenig Zeit, massieren Sie nur Kopf, Ohren und Fußsohlen.