Capsicum annuum (Latein)
Chili, Cayennepfeffer (Deutsch)
Katuvira, Raktamarica (Sanskrit), Lalmirca (Hindi)

 

 

Als Christoph Kolumbus 1493, statt wie geplant in Indien, auf dem amerikanischen Kontinent in Hispaniola ankam, machte er schon bald Bekanntschaft mit den dort weit verbreiteten, scharfen Schoten, die er mit «besser als Pfeffer» beschrieb. Die anregenden, roten Früchte wurden von den Spaniern fortan männlich-kraftvoll pimiento genannt, in Anlehnung an pimienta (Pfeffer).

 

Doch mit dem schwarzen Pfeffer hat die Chilipflanze botanisch gar nichts zu tun. Chili, oder auch Cayennepfeffer, gehört wie Peperoni und Paprika zu den Nachtschattengewächsen. Es gibt sie rund um den Globus, wo sie in tropischen Gebieten angebaut werden. Unzählige lokale Sorten, Formen, Farben und Schärfegrade haben sich über die Jahrhunderte entwickelt. Was wäre beispielweise das indische Curry ohne die im 16. Jh. von den Portugiesen und Spaniern in Indien eingeführten Chilischoten?

 

Die Chilipflanze ist ein Halbstrauch, der bis zu 1 Meter hochwächst. Seine grünen Blätter sind länglich und oval, die sternförmigen Blüten weiss. Sind sie bestäubt, erkennt man schon bald die sich entwickelnde Frucht, erst grün, später im reifen Zustand leuchtend rot. Chili oder Cayennepfeffer lässt sich in den warmen Sommermonaten auch in unserem Klima in Töpfen auf dem Balkon anbauen.

 

Während in der Küche nur die frischen oder getrockneten Schoten verwendet werden, finden für medizinische Zwecke zusätzlich die unreifen grünen Früchte wie auch die Samen Verwendung. Wer unliebsam brennenden Hautkontakt, besonders an den Schleimhäuten, verhindern möchte, wäscht sich nach der Berührung von Chilis sorgfältig die Hände.

 

Ihrer markanten Schärfe und erhitzenden Wirkung wegen ist der Genuss von Chili nach ayurvedischen Kriterien besonders bei kalten, trägen Zuständen angebracht. Übermässiges Kapha wird durch den Konsum von Nahrungsmitteln, die mit Chili gewürzt sind, abgebaut und der Stoffwechsel dafür angeregt. Auch Vata wird durch kleine Dosen scharfen Chili ausgeglichen. Zuviel Schärfe begünstigt hingegen die austrocknende Wirkung und ist daher Vata erhöhend. Die stark anregenden, erhitzenden Eigenschaften sind für den ohnehin feurigen Pitta Typen hingegen nicht empfehlenswert. Chili fördert zudem Rajas und kann daher bei hohem Konsum zu Unruhe und Überreizung führen.

 

Ayurvedische Eigenschaften (bezogen auf die getrockneten Früchte/Schoten):

  • Geschmack (Rasa): scharf
  • Eigenschaft (Guna): leicht, trocken, scharf, spitz
  • Wirkkraft (Virya): erhitzend
  • Geschmack nach der Verdauung (Vipaka): scharf
  • Wirkung auf die Doshas: verringert Vata (erhöht Vata in hohen Dosen), verringert Kapha stark, vermehrt Pitta
  • Stoffwechselenergie: regt Agni stark an
  • Mentale und spirituelle Wirkung: vermehrt Rajas

 

 

 

Quelle:

Schrott/Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin, Springer Verlag, 2012