Jeder Mensch ist individuell – so beschreibt es auch der Ayurveda. Welche Doshas bilden eine harmonische Beziehung und welche Konstellationen mögen es eher turbulent?

 

Als ruhiger, stabiler, friedfertiger Kapha-Mann ist es nicht ganz leicht, seine lebhafte, enthusiastische, sich ständig neu erfindende Vata-Frau zu verstehen. Sie liebt Abwechslung und Überraschungen – er mag Beständigkeit und vertraute Strukturen.

Gemeinsames Glück erfahren die beiden, wenn es ihr gelingt, seine behäbige Kapha-Natur anzuregen, ihn mitzuziehen und zu stimulieren. Seine Stärke ist die Verlässlichkeit und die Geborgenheit, die seine Partnerin in seinen starken Armen erfährt, wenn in ihrem Leben wieder einmal alles durcheinandergeraten ist. Was die beiden trotz aller Gegensätzlichkeit verbindet, ist ihr Bedürfnis nach Wärme. Da Vata und Kapha laut Ayurveda zu den kühlen Doshas zählen, mögen beide einen warmen Ort; sie zur Beruhigung, er zu seinem Wohlbefinden.

 

Das klassisch-schöne Liebespaar stellen die grazile Vata-Frau und der athletische Pitta-Mann dar, wenn sie sich tief in die Augen schauen und ihre innige Zweisamkeit geniessen. Luft, die in das Pitta-Feuer bläst und Leidenschaft entfacht. Der liebevolle Pitta-Mann verwöhnt seine Vata-Frau mit Aufmerksamkeit und Geschenken, sie schenkt ihm Zärtlichkeiten, umwirbt ihn mit Worten, Gesten und Berührungen. Sie liebt überschwängliche Gefühle und Romantik, er vertritt die logische, analytische Sichtweise. Wenn es ihnen gelingt, ihre intensive Kommunikation einander anzupassen und sie sich verstehen wollen (sie redet schnell und viel, er spricht präzise und stellt viele Fragen), so steht einer harmonischen Beziehung kaum etwas im Wege. Einzig Diskussionen um die ideale Raumtemperatur und das bevorzugte Klima werden den hitzigen Pitta-Mann und die kälteempfindliche Vata-Frau laufend begleiten.

 

Auch wenn ihm die attraktive, sinnliche Pitta-Frau ausserordentlich gut gefällt, so überstürzt der Kapha-Mann nichts, er lässt sich Zeit mit der Entscheidung. Sie ist von seiner imposanten Gestalt mit dem vollen Haar, den grossen Augen und seinem liebevollen Wesen angetan. Entscheiden sie sich füreinander, so wird er für alle Ewigkeit an ihrer Seite sein. Und die Pitta-Frau ist davon überzeugt, dass sich ihr Partner schon noch zurechtbiegen lasse, um ihren Vorstellungen ganz zu entsprechen. Doch dies wird ihn kaum beeindrucken, ändert er sein Verhalten doch äusserst selten. Um nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, muss der Kapha-Mann von seiner ehrgeizigen Frau immer wieder motiviert werden. Von ihm hingegen lernt sie, Situationen gelassener anzugehen und nicht jeder vermeintlichen Provokation mit einem feurigen Gegenangriff zu begegnen.

 

Treffen sich eine Pitta-Frau und ein Vata-Mann, so wird es beiden schnell warm ums Herz. Die selbstbewusste, attraktive Pitta-Frau mit ihrem scharfen Blick beeindruckt den spontanen, kreativen und sensiblen Vata-Mann zutiefst. Ein Feuer der Leidenschaft entbrennt; die beiden ergänzen sich perfekt. Als gefühlvoller Romantiker umwirbt er seine Partnerin ständig, überrascht sie mit immer neuen, originellen Liebeserklärungen. Als Frau der Tat und des sichtbaren Erfolgs wird sie damit nicht immer zufrieden sein und handfeste Beweise in Form von Geschenken einfordern. Pitta-Frauen sind gut organisiert und zielgerichtet, was ihrem Vata-Partner helfen kann, seine Energien gut einzuteilen, um sich in den Herausforderungen des Alltags nicht zu verlieren. Er hingegen bringt spielerische, überraschende Momente in ihr durchorganisiertes Leben und verhilft ihr zu einer entspannteren Sichtweise der Dinge. Was beide verbindet, sind sportliche Aktivitäten, für sie zur Entspannung, für ihn, um seinen grossen Bewegungsdrang zu befriedigen.

 

Aus ayurvedischer Sicht ist die Partnerschaft zweier unterschiedlicher Doshas durchaus bereichernd, wenn beide gelernt haben, die Eigenheiten des anderen wertzuschätzen und einen guten Weg für die gemeinsame Kommunikation gefunden haben.

Doch wie gelingt eine Beziehung, wenn sich gleich zu gleich gesellt?

 

Führt das Schicksal zwei Kapha-Typen zusammen, so gestalten sie ihre treue Beziehung liebevoll und zärtlich. Sie sind meist häuslich, leben in stabilen Verhältnissen und lieben sinnliche Genüsse. Besonders feine Gerüche und Geschmacksnuancen erregen ihre Aufmerksamkeit. Kaphas sind friedliebend und gehen Konflikten gerne aus dem Weg. Liegt jedoch Streit in der Luft, so halten sie stur an ihrer Position fest und sind bestrebt, die unliebsame Situation auszusitzen. Damit ihr ruhiges Wesen und ihr meist schwerer Körper nicht in Trägheit versinken, ist es die Aufgabe der Kapha-Partner, sich gegenseitig anzuspornen, um regelmässig Abwechslung, Leichtigkeit und Bewegung in ihren gemeinsamen Alltag zu bringen.

 

Trifft Feuer auf noch mehr Feuer, so sind die lodernden Flammen weit herum erkennbar. Feurige Leidenschaft prägt die Verbindung zweier Pitta-Menschen. Ästhetik und Wettbewerb, Zielstrebigkeit und Erfolg dominieren ihr Leben. Sie sprechen dieselbe akkurate Sprache, sind organisiert, leben dieselben Werte und verstehen sich gut, solange sie ihre eigene Pitta-Natur unter Kontrolle haben. Zwei Pitta-Partner unterstützen sich gegenseitig am besten damit, indem sie ihren rasch erhitzten Gemütern Abkühlung verschaffen und sich eine Weile aus dem Weg gehen. Eine solch dynamische Liebesgeschichte gelingt, wenn sich beide für das sie Verbindende einsetzen und die Kritik an Details und ihre Rechthaberei für eine Weile sein lassen.

 

Verlieben sich zwei Vata-Menschen, so schweben und tanzen sie aufgrund ihrer luftigen Qualitäten stets etwas über dem stabilen Untergrund. Ihre Kreativität, ihre Spontaneität und ihre unbändige Lust, sich auszudrücken verbinden diese beiden feingliedrigen Wesen.  Sie denken schnell, handeln ebenso flink und sind begeisterungsfähig und humorvoll. Als Romantiker lieben sie zärtliche Berührungen. Ihre Leidenschaft überträgt sich leicht auf ihren Partner. Langweilige Routine wird in einer Vata-Vata-Partnerschaft nie zu finden sein, Beständigkeit und verbindliche Planung ebenso wenig.

Da die natürliche Neigung des Vata-Typs zu Unruhe und Besorgnis diese Partnerschaft leicht negativ beeinflussen kann, tun beide gut daran, sich gegenseitig zu ermuntern, eine stabilisierende Tagesroutine zu befolgen und sich genügend Ruhe zu gönnen.

 

Das Zusammenleben mit einem Partner ist meist anspruchsvoller als wenn man alleine durchs Leben geht. Da mag etwas ayurvedisches Wissen über die Eigenheiten und Verhaltensweisen der verschiedenen Dosha-Typen ganz hilfreich sein. Und da bei jedem Menschen alle drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) – wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen – gelebt werden, lässt sich für jede Partnerschaft Verbindendes finden.