Ayurveda verfügt über eine umfangreiche traditionelle Literatur, die sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelt hat. Ein grosser Teil davon ist bis heute erhalten geblieben. Die ältesten erhaltenen Schriften über Ayurveda sind die Charaka Samhita (etwa 1. Jahrhundert v. Chr.), Sushruta Samhita (ca. 1. Jh. nach Chr.) und Ashtanga Hrdaya Samhita des Vagbhat (ca. 7. Jh. nach Chr.), die bis heute als wissenschaftliche Basis für Ayurveda anerkannt sind. Im 15. und 16. Jahrhundert kamen noch weitere Lehrbücher hinzu. (Sharangadhara und Bhava Prakash)

 

Die Texte sind in acht eigenständige Bereiche der Medizin unterteilt: Innere Medizin, Frauen- und Kinderheilkunde, Hals-Nasen-Ohren- und Augenheilkunde, Psychiatrie, Chirurgie, Toxikologie, Gesundheitsförderung, Revitalisierung und Sexualmedizin.

 

Die Grundlagen des Ayurveda sind seit jeher spirituelle Praxis wie Meditation und Yoga, Ernährungslehre, gesunde Lebensführung, Massagebehandlungen, Reinigungsverfahren und Kräuterkunde. Auch das Pulsfühlen gehört im Ayurveda traditionell zur wichtigsten Diagnoseform.

 

In Indien wird neben der westlichen Medizin der Ayurveda weitgehend in ländlichen Gegenden praktiziert. Trotz der Verbundenheit zu überlieferten Heilmethoden verschliesst sich der Ayurveda den Errungenschaften und Neuerungen der westlichen allopathischen Medizin nicht. Durch sein langes Bestehen kann der Ayurveda auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen und auch neuzeitlichen Krankheiten Linderung bringen.

 

Besonders die Buddhisten trugen massgeblich zur Verbreitung des Ayurveda bei, z.B. nach China, Tibet und Sri Lanka. Dies erklärt, warum die Heilkunden jener Länder viele Ähnlichkeiten mit dem Ayurveda aufweisen. Durch die islamischen und später die englischen Kolonialherren begann ein Rückzug des Ayurveda, der nur dank der Familientraditionen überlebte.

 

Heute hat sich das Indische Ministerium AYUSH zur Aufgabe gemacht, seinen Fortbestand, seine Anerkennung und seine Weiterentwicklung zu gewährleisten.