Warum ist Ayurveda keineswegs nur den Frauen vorbehalten?

Sanfte Ölmassagen in warmtonigem Licht, zarte Klänge verzaubern den Raum. Anschliessend eine entspannende Achtsamkeitsmeditation, leichte Yogaübungen für das innere Gleichgewicht und zwischendurch schluckweise heisses Ingwerwasser für die Verdauung. Als kulinarischer Höhepunkt ein vegetarisches Mittagessen mit duftendem Basmatireis und gedämpftem Gemüse an einer milden Dal-Sauce.

Mit solchen Bildern präsentiert sich der Ayurveda gerne und durchaus erfolgreich. Fühlen sich dadurch nur Frauen angesprochen? Ist Ayurveda gar nur weiblich?

Nein. Der Ayurveda ist ganzheitlich und umfassend. Ayurveda orientiert sich an Naturgesetzen, die seit Jahrtausenden Gültigkeit haben – für Männer genauso wie für Frauen.

Während sich Frauen in der Regel gerne mit Gesundheitsthemen beschäftigen und für Ratschläge, Therapien und neue Erkenntnisse offen und empfänglich sind, haben Männer gelernt, stark zu sein und die jeweilige Situation erstmal auszustehen. Der Alltag der Männer ist auch heute noch meist geprägt von gesellschaftlich auferlegtem Leistungsdruck, Wettbewerb, Zielstrebigkeit, Intensität, Stärke und Geschwindigkeit.

Dabei kann es geschehen, dass kleine Unpässlichkeiten anfänglich übersehen oder falsch interpretiert werden und sich dadurch eine gesundheitliche Negativspirale entwickeln kann. Nach dem Verständnis des Ayurveda entwickeln sich Krankheiten über einen längeren Zeitraum in mehreren Stufen von ersten Ungleichgewichten der Doshas über gelegentliche Symptome bis hin zu ernsten Gesundheitsproblemen, deren Heilung nur noch schwer möglich ist.

Die Verfahren des Ayurveda zielen auf Entschleunigung und Sanftheit und dessen Gesundheitssystem hält eine Vielfalt an Diagnosemethoden und Massnahmen bereit, wie Ungleichgewichte von Körper und Geist in jeder Phase harmonisiert werden können. Es gilt, unbedingt die Signale des eigenen Systems ernst zu nehmen und die tiefe Verbindung zur eigenen Körperintelligenz wieder herzustellen. Dadurch kann Heilung geschehen.

Dass die Ausübung von Yoga keineswegs Frauen vorbehalten ist und es Stilrichtungen gibt, die selbst kräftigen Männern einiges abverlangen, dringt immer mehr in unser Bewusstsein.

Bereits in den alten Schriften betont der berühmte ayurvedische Arzt Caraka: «Personen mit wohlproportionierter Muskulatur und Kompaktheit besitzen ohne Zweifel sehr gute sensorische und motorische Organe, und so trotzen sie Krankheit. Sie können Hunger, Durst, Sonnenhitze, Kälte und körperliche Anstrengungen ertragen. Sie können gut verdauen.» (Ca. Su-St., XXI, 18, 19).

Nun mag jemand das Fitnesszentrum oder die freie Natur dem Yogastudio vorziehen, was aber genauso im Sinn des Ayurveda ist.

Effektive Tipps für die Optimierung des Muskelaufbaus und der Fitness

  • Finden Sie eine Sportart (oder mehrere), die Ihnen Spass macht. (Sogar Kapha Typen gelingt dies!)
  • Der Körper gewöhnt sich an regelmässige Bewegung und gewinnt an Vitalität.
  • Achten Sie auf die Signale des Körpers unter Belastung (Atmung, Schwitzen, Leichtigkeit des Körpers, Flow etc.)
  • Der Ayurveda empfiehlt, immer durch die Nase zu atmen und nur die Hälfte seiner persönlichen Kapazität einzusetzen.
  • Sportlicher Übereifer mit regelmässigem Überschreiten der persönlichen Grenzen führt zu Stress, Erschöpfung, Atemnot und Husten bis hin zu Auszehrung. (Dies ist genauso schädlich wie Bewegungsmangel.)
  • Der Atem soll beim Sport immer gleichmässig fliessen, was die Geist-Körperkoordination fördert.
  • Während körperlicher Übungen soll ein Gefühl für den gesamten Organismus entwickelt werden.
  • Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist die natürliche Freude an der Bewegung. Und diese kann auch im Erwachsenenalter wieder geweckt werden.

Grundmotivation und sportliche Ziele für Vata, Pitta und Kapha

Vata

  • Aufbau von Körpermasse in Form von Muskulatur
  • Abwechslung im Training (Langeweile vermeiden)
  • Langsame Bewegungsgeschwindigkeit

Pitta

  • Entladen von überschüssiger Energie, Aufbau von Muskulatur
  • Herausforderungen suchen, aber Überforderung vermeiden
  • Mittlere Bewegungsgeschwindigkeit

Kapha

  • Optimales Verhältnis von Körperfett und fettfreier Körpermasse
  • Intensives Körpertraining, Trägheit überlisten
  • Hohe Bewegungsgeschwindigkeit

Die drei Säulen der Gesundheit

Laut des Erfahrungsschatzes des Ayurveda basiert Gesundheit auf drei Säulen:

  • Ernährung
  • Lebensstil
  • Rasayanas

Diese drei Elemente sollen aufeinander abgestimmt werden und auf einer fachlichen Diagnosestellung basieren. Dabei wird der Zustand der Verdauungskraft, des Stoffwechsels und des Zirkulationssystems analysiert. Erst wenn die verschiedenen Kanäle des Körpers rein genug und durchlässig sind, werden individuell angepasste Nahrungsergänzungen (Rasayanas) empfohlen.

Die sieben Körpergewebe aus der Sicht des männlichen Organismus

Im Ayurveda werden 7 verschiedene Körpergewebe (Dhatus) unterschieden. Betrachten wir sie spezifisch aus der Sicht des männlichen Organismus:

  • Am Anfang des Verdauungsprozesses steht das Rasa Dhatu (das Nährsaft-Gewebe). Es besteht mehrheitlich aus Wasser. Bei Männern, deren Feuerelement oft stark ausgeprägt ist, kann dieses Wasser deshalb «verdampfen». Durch Ernährungsempfehlungen (Früchte, Ghee etc.) lässt sich dies harmonisieren.
  • Das Rakta Dhatu ist das Blut-Gewebe. Es wird als heiss, dominant, flüssig und penetrant beschrieben. Besonders bei Männern neigt das Blut zu Überhitzung (Blutverunreinigung), was sich in entzündlichen Krankheiten von Haut und Gefässen äussern kann. Rasayanas für das Blut sind daher kühlend, reizmildernd und blutreinigend wie z.B. Radiant Skin oder Kaishora Guggulu.
  • Das Mamsa Dhatu ist für den Aufbau von Muskelgewebe verantwortlich. Dafür eignen sich beispielweise die ayurvedischen Pflanzen Amalaki (Indische Stachelbeere) und Ashwagandha (Winterkirsche). Sie bewähren sich auch als Unterstützung des Muskelaufbaus nach dem Krafttraining.
  • Das Medha Dhatu (Fettgewebe) ist vom Wasserelement dominiert und verleiht Stärke, Schutz und Geschmeidigkeit. Laut Ayurveda ist sowohl ein Mangel wie auch ein Überschuss von Fettgewebe ungünstig für die Gesundheit. Moderater Konsum von Ghee und Pflanzenölen in hoher Qualität bauen ein gesundes Fettgewebe auf.
  • Das Knochengewebe wird im Ayurveda als Ashti Dhatu bezeichnet. Störungen können auch bei Männern zu Osteoporose und Arthrose führen. Wichtige Substanzen für ein gesundes und starkes Knochengewebe sind laut Ayurveda Ashwagandha und Guggulu.
  • Knochenmark und Gehirn werden dem Majja Dhatu zugeordnet und bestehen hauptsächlich aus dem Wasserelement. Wird dieses Körpergewebe unzureichend mit Nahrung versorgt, können sich neuropsychiatrische Krankheiten bilden. Brahmi (Indisches Wassernabelkraut) ist ein bewährtes Tonikum für das Nervengewebe.
  • Das letzte und feinste der sieben Körpergewebe ist das Shukra Dhatu (Samen und Eizellen). Am Verdauungsvorgang sind insgesamt 13 Agnis (Stoffwechselfeuer) dafür verantwortlich, dass die Nahrung in verschiedenen, mehrstufigen Schritten transformiert wird und bei den entsprechenden Körpergeweben ankommt und sie nährt. Als letztes Gewebe hat das Shukra Dhatu einen direkten Einfluss auf die sexuelle Leistungsfähigkeit, die Libido und die Fruchtbarkeit des Mannes und der Frau. Hier hält der Ayurveda bewährte Rasayanas zur Stärkung bereit. Das ayurvedische Kompendium Caraka Samhita widmet in seinen traditionellen Texten mehrere Kapitel dem Thema Aphrodisiakum, sexuelle Stärke und Fruchtbarkeit. Dazu gehören detailreich beschriebene Rezepte und Ratschläge für die sexuelle Potenz aus der Optik des Mannes.

Nahrungsergänzung für den jungen und den reifen Mann: «Männer-Rasayana»

Besonders erwähnenswert für die Gesundheit des Mannes ist das ayurvedische Präparat «Männer Rasayana». Diese traditionelle Rezeptur besteht aus einer Vielzahl von Substanzen, u.a. Shilajit (Asphaltum punjabianum), Guggul (Commiphora mukul), Abies webbiana (Talispatra, eine Tannenart) und vielen weiteren Gewürzen und Kräutern.

Das «Männer Rasayana» gleich alle drei Doshas Vata, Pitta und Kapha aus. Es verbessert die Funktion der Dhatu Agnis und baut die Körpergewebe auf. Zudem fördert diese komplexe ayurvedische Rezeptur bei regelmässiger Einnahme des Produktes die Zunahme des Hormons Testosteron. «Männer Rasayana» eignet sich für Männer aller Altersgruppen und in allen Lebensphasen.

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Fleischkonsum aus Sicht des Ayurveda

Es ist das klassische Klischee: Das Urbedürfnis der männlichen Spezies sei es, ein Feuer zu entfachen und wie vor Jahrtausenden über der Glut ein pikant gewürztes Stück Fleisch knusprig zu braten. Soll dies mit einem ayurvedischen Lebensstil nicht mehr möglich sein?

Die ayurvedischen Schriften schliessen den Konsum von Fleisch keineswegs aus, äussern sich jedoch sehr differenziert dazu. Fleisch ist Vata besänftigend, nährend, fördert den Aufbau von Gewebe und wird daher in speziellen Situationen, beispielweise in Form von Fleischsuppen, gezielt zur Stärkung ausgezehrter Personen (Vata Konstitution/stark erhöhtes Vata Dosha, Aufbau von sexueller Potenz) eingesetzt. Auf der anderen Seite fördert der Konsum von Fleisch aus ayurvedischer Sicht Tamas (Trägheit, Dumpfheit) und gilt daher als Hindernis auf dem Weg zu höheren Bewusstseinszuständen. Auch widerspricht das Töten von Tieren dem spirituellen Prinzip der Gewaltlosigkeit.

Im Gegensatz zu grösseren Säugetieren soll das Essen von Hühnerfleisch laut Ayurveda gesundheitsfördernd und aphrodisierend sein. Hühnerfleisch nährt, besänftigt Vata und erhöht tendenziell Kapha. Doch wie alles Fleisch bedarf es einer guten Verdauungskraft (Agni). Hühnereier werden im Ayurveda als sofortiges Stärkungsmittel beschrieben. Sogar die Eierschalen werden in Form von Bhasma (mineralische Veraschung) als hervorragende Kalziumquelle empfohlen.

Im Ayurveda gibt es keine absoluten Richtlinien bezüglich Ernährung; jeder Mensch wird in seiner Situation und mit seinen ureigenen Bedürfnissen individuell betrachtet.

Ist Bier ayurvedisch?

Bier besteht vorwiegend aus Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe, welche für die alkoholische Vergärung verantwortlich ist. Die bedeutsamste Zutat aus gesundheitlicher Sicht ist der Hopfen, der verdauungsfördernde, beruhigende und angstlösende Eigenschaften hat. Die im Bier enthaltenden Bitterstoffe und der Alkohol stimulieren Agni und daher den Appetit. Dies kann zu üppigem Essen verleiten, obwohl Bier weniger kalorienreich ist als beispielweise Wein.

Aus ayurvedischer Sicht hat Bier viele wertvolle Eigenschaften; aber auch einige, die für die Gesundheit nachteilig sind. Dazu gehört der Alkohol, der zu einer Zunahme des Feuerelementes Pitta führt. Ebenso wird Kapha erhöht; Vata hingegen ausgeglichen. Alkoholarmes oder -freies Bier ist durch seinen bitteren Geschmack jedoch auch für Pitta Typen bekömmlich. Bier mit wenig Alkohol hat blutreinigende Eigenschaften, solches mit Alkohol kann bei häufigem Konsum langfristig zu Pitta Störungen wie entzündlichen Prozessen führen.

Wenig förderlich für die Gesundheit ist ausserdem die zugesetzte Hefe, die im Ayurveda als schwer verdaulich und daher Ama (Stoffwechselschlacken) begünstigend gilt.

Ein weiterer Negativpunkt ist, dass Bier meist kalt genossen wird, was den Verdauungsprozess stark beeinträchtigt (was ebenso für alle Getränke aus dem Kühlschrank gilt). Wie jedes Nahrungsmittel, sollte auch Bier aus ayurvedischer Perspektive differenziert betrachtet werden. Meist hilft einem dabei der persönliche Geschmack und die Beobachtung dessen, was beim Konsum von entsprechenden Nahrungsmitteln in unserem Körper geschieht.