Ashwangandha ist eine der beliebtesten und bekanntesten Pflanzen im Ayurveda und findet vielseitige Anwendung. Warum ist das so? Antworten darauf finden Sie im folgenden Beitrag, der sich mit den zahlreichen Vorteilen von Ashwagandha befasst. Sie ist eine adaptogene Pflanze, die als Nahrungsergänzung für den Körper eine vielseitige Unterstützung sein kann – sowohl in der Vergangenheit wie auch ganz besonders in der heutigen Zeit.

Fliehen oder kämpfen: Der Mensch im Stress-Modus

Konzentrationsstörungen, Gefühle der inneren Unruhe und auch Schlafstörungen sind Befindlichkeiten, unter denen in unserer schnelllebigen Zeit viele Menschen leiden. Ausgelöst werden sie oftmals durch zunehmende Anforderungen und Stress. Denn der Körper reagiert auf Stressfaktoren wie Lärm, Zeitdruck, Probleme im Beruf oder innerhalb der Familie immer noch wie vor Tausenden von Jahren. 

Wenn vor Urzeiten Gefahr drohte, sich beispielsweise ein gefährliches Raubtier näherte, versetzte die unmittelbare Ausschüttung von Stresshormonen den Urzeitmenschen in die Lage, sofort richtig zu reagieren. In der Schilddrüse und in den Nebennieren werden bei Gefahr Hormone wie Noradrenalin, Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. 

Die daraus folgende Muskelanspannung, ein beschleunigter Atem und eine erhöhte Puls- und Herzfrequenz machten es möglich, entweder zu fliehen oder sich körperlich gegen das angreifende Raubtier zur Wehr zu setzen. Da sich die lebensbedrohenden Angreifer in der heutigen Gesellschaft selten als Bär oder Tiger mit offenem Maul und scharfen Zähnen zeigen, ist wegrennen oder kämpfen meistens keine adäquate Verhaltensweise mehr. Unzufriedenen Chefs, eine übervolle Agenda, Stau auf der Strasse, Konflikte mit dem Nachbarn verlangen nach anderen Lösungsansätzen.

Vata-Störungen durch dauerhaften Stress

Stattdessen aktiviert der Körper, genauso wie vor Urzeiten, bei dauerhaftem Stress die oben genannten hormonellen Abläufe. Wenn wir uns über einen längeren Zeitraum im sogenannten «Fight-or-Flight-Modus» befinden, schüttet das sympathische Nervensystem dauerhaft Stresshormone aus. 

In der Folge gerät der Hormonhaushalt aus dem Lot, und es zeigen sich Phänomene, die nach ayurvedischem Verständnis als gravierende Vata-Störung bezeichnet werden. Diese liegen vor allem im neurologischen Bereich. Es können sich Schwindel, allgemeine Ruhelosigkeit und Ängste zeigen – also nach ayurvedischem Verständnis ein Überschuss an Vata. 

Vata, Pitta und Kapha – die drei Doshas im Ayurveda

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Neben Pitta und Kapha ist Vata eines der drei Hauptdoshas (Funktionsprinzipien) im Ayurveda. Das Vata-Dosha entspricht dem Bewegungsprinzip: Es regelt sämtliche Bewegungsabläufe in Körper und Geist, u.a. die Motorik den Kreislauf und das Nervensystem. 

Kommt eines der drei Doshas aus dem Gleichgewicht, hat dies oft Auswirkungen auf die anderen Doshas. Ein Ungleichgewicht des beweglichen Vata Prinzips, kann auch Pitta und Kapha rasch aus der Balance werfen. Und Ungleichgewichte der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha können der Anfang von Krankheiten des gesamten Körper–Geist–Systems sein.

Ayurvedische Techniken bringen die drei Doshas in Balance

Um dem entgegenzuwirken, gilt es, den Körper und die Seele widerstandsfähiger gegen Stress zu machen. Das älteste Gesundheitssystem Ayurveda stellt dafür verschiedene überlieferte Methoden und Ansätze zur Verfügung, die den Menschen dabei unterstützen.

Hierzu zählen die ayurvedische Ernährungslehre, Verbesserung der Tagesroutine und des Lifestyles, die Kräuterheilkunde mit ihren traditionellen Rezepturen, Yoga sowie verschiedenste Massagetechniken wie der bekannte Ölguss auf die Stirn (Shirodara).

Ashwagandha: Eine vielseitige Pflanze mit vielsagenden Namen

Insbesondere Ashwagandha spielt in der ayurvedischen Kräuterkunde in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle. Allerdings ist die mehrjährige, buschige Pflanze nicht nur in Indien beheimatet, sondern wächst auch am Mittelmeer und auf dem afrikanischen Kontinent. Sie ist in vielen Kulturkreisen bekannt und beliebt. Auffällig ist, was uns schon die verschiedenen Namen der gleichen Pflanze über die unterschiedlichen Anwendungsbereiche erzählen.

Ashwagandha – Geruch eines Pferdes

Ashwagandha heisst übersetzt so viel wie «das, was den Geruch eines Pferdes hat». Die Bezeichnung kommt aus dem Sanskrit und geht vermutlich auf den besonderen Geruch und Geschmack der Pflanze zurück. Aus den Wortteilen «ashwa» oder auch «azva» (Pferd) und «gandha» (Geruch, Geschmack) bildet sich «Ashwagandha». 

Tatsächlich erinnert die traditionelle Pflanze – als Auszug in warmer Milch oder Wasser verabreicht – etwas an den Geruch von Heuballen im Pferdestall: zugleich scharf, etwas süsslich und bitter. Die freieren Übersetzungen wie «Kraft des Pferdes» oder «Vitalität des Hengstes» zeigen, dass Ashwagandha im Ayurveda zusätzlich als starkes Aphrodisiakum gilt. Insbesondere Männer sollen in dieser Hinsicht sehr vom Verzehr profitieren – so wie die Frau von Shatavari, dem wilden Spargel.

Withania somnifera (botanisch) – schlafbringender Wissenschaftler

Der botanische Name der kleinen Pflanze mit den roten Beeren lautet Withania somnifera. Aus dem Lateinischen übersetzt wird sie demnach als «schlafbringender Wissenschaftler» bezeichnet. 

Schlafbeere, Winterkirsche und Indischer Ginseng

Im deutschsprachigen Raum ist das Nachtschattengewächs nicht nur als Indischer Ginseng, sondern auch als Winterkirsche oder als Schlafbeere bekannt. Diese Bezeichnungen geben deutliche Hinweise auf die ihr im Ayurveda zugeschriebenen Wirkungen. 

Denn um im Winter Früchte zu bilden, benötigt eine Pflanze sicherlich grosse Widerstandskraft – Vorteile, die zu ihrem Ruf führen, dass sie auch beim Menschen als Stärkungsmittel dienen kann. Die Bezeichnung Schlafbeere hingegen deutet bereits darauf hin, dass Ashwagandha bei der Förderung von gutem Schlaf Verwendung findet. Die Beeren des Strauchs sind ungeniessbar – im Englischen nennt man das Nachtschattengewächs daher auch «poison gooseberry» (giftige Stachelbeere). 

Ashwagandha: Varianten und verschiedene Anwendungsarten

In Indien finden sich zwei Varianten der Pflanze: Es gibt den wildwachsenden Busch und die Kulturpflanze. Letztere enthält viel Zucker (Sucrose) als Bestandteil. Der Zucker hat eine nährende Wirkung auf das Gewebe, was die Pflanze zu einem beliebten ayurvedischen Stärkungsmittel gemacht hat. Im authentischen Ayurveda spielt daher besonders die kultivierte Variante eine wichtige Rolle.

Die Inhaltsstoffe

Im Ayurveda verwendet man traditionell die Wurzeln und die Blätter, da dort die wichtigsten Inhaltsstoffe am konzentriertesten sind. Withaferin A, das zu den Withanoliden gehört, ist hier in grosser Menge vorhanden. Aber auch Alkaloide und viele weitere wertvolle Inhaltsstoffe, darunter Tropin und Somniferanolid, sind in diesen Bestandteilen zu finden. 

Nicht nur im Ayurveda, sondern in allen naturheilkundlichen Schulen, in denen Ashwagandha zur Anwendung kommt, sind sich die Experten einig: Die ausgleichenden Effekte der Pflanze auf den menschlichen Körper gehen vor allem auf die enthaltenen Withanolide zurück. 

Äusserliche Anwendung

Zur äusserlichen Anwendung werden aus den Wurzeln und Blättern der Pflanze Pasten hergestellt und auf die Haut aufgetragen. Um ein aus der Balance geratenes Vata wieder zu stabilisieren, tragen Ölmassagen mit Ashwagandha-Öl bei. Die Inhaltsstoffe sind dazu geeignet, die angenehmen, entspannenden Wirkungen einer Massage zu verstärken.

Innerliche Anwendung und Darreichungsformen

Je nach Störung der Doshas, der verschiedenen Konstitutionen und dem Alter der Menschen, gibt es verschiedene Anwendungsbereiche und Darreichungsformen zur inneren Anwendung. Alkoholhaltige Kräuterliköre (Arishtas) bieten den Vorteil, dass die Inhaltsstoffe vom Körper schnell aufgenommen und resorbiert werden.

Tabletten, die komprimiert die wertvollen, getrockneten Pflanzenbestandteile enthalten, sind praktisch in der Einnahme und gelten als Stärkungsmittel. Das Pulver (Churna) bietet vielerlei Möglichkeiten zur Anwendung. Auch in Ghee aufbereitetes Ashwagandha (Gritha) gilt im Ayurveda als allgemein stärkend und aufbauend. Ausserdem wurde und wird Ashwagandha in Indien gerne als Tee getrunken.

Die Wirkung von Ashwagandha nach ayurvedischem Verständnis

Die Wirkung von Ashwagandha nach ayurvedischem Verständnis

In der ayurvedischen Ernährungslehre gilt Ashwagandha als sattvische Pflanze. Sattva ist neben Rajas und Tamas eines der drei Gunas, die sich überall wiederfinden: in unserem Bewusstsein, im Pflanzenreich und auch in der Nahrung. Rajas symbolisiert nach ayurvedischem Verständnis Energie, Leidenschaft und Bewegung.

Tamas steht für Schwere und Dunkelheit, hemmt Lebensprozesse und fördert Dumpfheit. Sattva hingegen gilt als höchstes Guna. Es steht für Reinheit und Harmonie, Leichtigkeit und Güte. Der Verzehr der sattvischen Pflanze Ashwagandha trägt dazu bei, den Menschen in einen harmonischen Zustand zu bringen, in dem Glück und Zufriedenheit herrschen. 

Was kann Ashwagandha noch für das Wohlbefinden tun?

Bevor im Folgenden konkret die weiteren Wirkungen zur Sprache kommen, muss darauf hingewiesen werden: Wirkaussagen sind hier ausschliesslich in Zusammenhang mit Ayurveda und der entsprechenden Terminologie zu sehen. 

Körperliche und seelische Störungen beziehen sich ausschliesslich auf die ayurvedischen Doshas. Ashwagandha in allen Darreichungsformen ist kein Arzneimittel im westlichen Sinne. Es dient zur Nahrungsergänzung und kann in vielen Fällen unterstützend und ausgleichend wirken.

Stressabwehr, Erhöhung der Belastbarkeit, verbesserter Schlaf

Wie bereits erwähnt, dient Ashwagandha vor allem dazu, die Widerstandkraft des Körpers gegen Stressfaktoren zu erhöhen. Als adaptogene Pflanze kann sie den Körper ausbalancieren und anpassen. Das heisst, sie kann sowohl beruhigend wirken und gleichzeitig für mehr Energie sorgen.

In seinen verschiedenen Darreichungsformen erhöht Ashwagandha die Belastbarkeit. Insbesondere die enthaltenen Withanolide und die Alkaloide wie Somniferin haben einen stressabschirmenden Effekt. Dieser beruht in erster Linie darauf, dass die Ausschüttung von Stresshormonen merklich reduziert werden kann.

Gleichzeitig kann Ashwagandha bei der Regeneration helfen und unterstützend wirken. Da bei erhöhtem Stress auch häufig die Schlafqualität leidet, kann durch Senkung der Stresshormonproduktion eine Verbesserung erzielt werden. Der Schlaf kann sich merklich verbessern, wie Studien zeigen. Das betrifft sowohl das Einschlafen als auch die Durchschlafqualität. 

Harmonisierung der Schilddrüsenfunktion

Aber auch für andere Bereiche des Körpers kommt Ashwagandha zum Einsatz und kann beispielsweise eine normale Funktion der Schilddrüse unterstützen. Wie in wissenschaftlichen Studien bestätigt wurde, kann die Nahrungsergänzung effektiv die Schilddrüsenfunktion normalisieren. Das Besondere daran: Sowohl Unterfunktionen als auch Überfunktionen der Schilddrüse können ausgeglichen werden. Das hormonelle Gleichgewicht wird gefördert und ausbalanciert.

Einfluss auf den Blutzuckerspiegel

Auch auf den Blutzuckerspiegel hat Ashwagandha Einfluss. Schon mehrfach konnte nachgewiesen werden, dass durch den Verzehr die Insulinsekretion, also die Ausschüttung von Insulin, erhöht werden kann. Dadurch steht dem Körper mehr Insulin zur Verfügung, um den Blutzucker zu senken. Ebenso kann sich die Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen verbessern – mit der Folge, dass die Wirkung des ausgeschütteten Insulins gestärkt wird. 

Steigerung der Fruchtbarkeit

In Bezug auf die Hormonproduktion zeigt sich auch bei den Geschlechtshormonen: Bei Männern kann der Testosteronspiegel durch den Verzehr steigen und sich merklich erhöhen, wie Studien zeigen. In der Folge zeigt sich eine erhöhte Anzahl an Spermien und auch eine verbesserte Beweglichkeit der Spermien. Das sind positive Effekte, die sich bei Männern in verbesserter Fruchtbarkeit und erhöhter Libido äussern können.