Wenn wir uns mit Ayurveda beschäftigen, so begegnet uns der Ausdruck «Agni» in Zusammenhang mit Ernährung und Gesundheit immer wieder. Agni ist ein ausserordentlich wichtiges ayurvedisches Prinzip, von dessen einwandfreier Funktionsweise unser Wohlbefinden, unsere Energie und schliesslich unsere ganze Gesundheit abhängt.

 

Agni ist das Feuer des Lebens, das kosmische Energie- und Wärmeprinzip, das der unbelebten und der belebten Natur zugrunde liegt. In der äusseren Natur erkennen wir Agni in der Sonne, die Licht und Leben spendet. In Lebewesen zeigt sich Agni als Wärme und Licht ausstrahlende Kraft. Sie ist als biologisches Feuer überall dort zu finden, wo Transformationen stattfinden und wo Stoffe verarbeitet und umgewandelt werden. Dies können Transformations- und Reifeprozesse sowohl körperlicher wie auch geistiger Natur sein. Agni sorgt dafür, dass sich in der Natur alles wandelt und weiterentwickelt.

 

Seit uralten, vedischen Zeiten wird Agni als Gott des Feuers verehrt. Im Rig Veda sind über 200 Hymnen zu finden, die an Gott Agni gerichtet sind. Agni gilt als Vermittler zwischen der Welt der Götter und den Menschen. Bei traditionellen Feuerritualen wird Gott Agni herbeigerufen.

 

In der ayurvedischen Terminologie wird Agni als Verdauungsfeuer bezeichnet, als Transformationsprinzip auf der Ebene der menschlichen Physiologie. Oder einfacher gesagt: Mithilfe eines starken Verdauungsfeuers transformiert unser Organismus die Nahrung, die ihm zugeführt wird. Dadurch kann der Körper Energie freisetzen, Gewebe (Dhatus) aufbauen und das subtile Stoffwechsel-Endprodukt «Ojas» produzieren, welches uns Ausstrahlung, Vitalität und Immunität schenkt.

 

Agni wird durch die drei Doshas (ayurvedische Funktionsprinzipien) reguliert. So wie sich Menschen aufgrund ihrer individuellen Ausprägung der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha in Aussehen, Wesen, Neigungen und Verhalten unterscheiden, so unterschiedlich ausgeprägt ist auch ihre Verdauungskraft.

 

Der sensible Vata Typ hat tendenziell eine unregelmässige Sein bewegungsfreudiges Naturell neigt zu Blähungen, schwankendem Appetit und wechselnden Stuhlfrequenzen. Übernimmt das Vata Dosha die Überhand, können sich Krämpfe, Völlegefühl und ein Blähbauch bemerkbar machen. Typischerweise treten zusätzlich Verstopfungen und Durchfälle im Wechsel auf (tagesabhängig). Solch ein gestörtes Verdauungsfeuer durch die Erhöhung vom Vata Dosha nennt sich Vishama Agni. Korrigieren lässt es sich durch regelmässige Mahlzeiten mit leicht verdaulichen Zutaten und vielen Ballaststoffen (z.B. Sat Isabgol/Flohsamenschalen). Entkrampfende Gewürze (wie Fenchel, Kreuzkümmel, Anis) und anregende und befeuchtende Kräutertees (Vata Tee, Drei Ingwer Tee) helfen in Phasen der Obstipation. Für einen regulierten Darm und ein gutes Bauchgefühl sorgt das bewährte Triphala.

 

Der zielstrebige, feurige Pitta Typ hat tendenziell eine starke Physiologisch äussert sich dies durch eine rasche Metabolisierung der zugeführten Nahrung, was zu vermehrten Stuhlgängen (ca. 3 pro Tag) und einem starken Appetit führt. Schwere Lebensmittel kann er problemlos verdauen und bildet tendenziell wenig/kein Ama (Schlackenstoffe).

Ist das Pitta Dosha zu hoch, neigt die Person zu Durchfällen, Nahrungsresten im Stuhl, Sodbrennen und entzündlichen Beschwerden des Magendarmtrakts. Diese pathologische Veränderung der Verdauungskraft durch eine Erhöhung vom Pitta Dosha nennt sich Tikshna Agni. Beruhigung erfährt das Tikshna Agni mit seinen scharfen, penetrierenden und hitzigen Qualitäten durch Kälte und Schwere. Eine kalorienreiche Mahlzeit mit wenig Fett, Salz, Säure und tierischen Eiweissen hilft, die Flammen des Agnis zu reduzieren. Für die optimale Unterstützung eignen sich ayurvedische Präparate wie Ayur-AciBalance, Pitta-Balance (Fruchtpaste) und Triphala Plus.

 

Der bedächtige, geduldige Kapha Typ hat tendenziell eine schwache Die langsamen, schweren und kühlen Eigenschaften des Kapha Doshas zeigen sich in der Verstoffwechslung durch einen geringen Appetit, ein schnelles Völlegefühl und eine lange Sättigung.

Wird das Kapha Dosha  dominant, entsteht auf der Ebene der Verdauung das sogenannte Manda Agni. Dieses Agni ist geprägt von Schweregefühl, Verstopfung und Übelkeit nach dem Essen. Die Nahrung bleibt «kalt» und meist unzureichend aufgespalten – Ama (Schlackenstoffe) kann entstehen. Um dem Manda Agni optimal entgegenzuwirken, eignen sich stark verdauungsfördernde, appetitanregende und entschlackende Gewürze (wie Pippali und Trikatu). Der Magen soll in Menge und Frequenz nicht überfordert werden, die Nahrung leicht bekömmlich sein und die Geschmacksrichtungen sauer, bitter und scharf beinhalten. Bei Ama-Zuständen eignet sich das Präparat Ama-Clean.

 

Obwohl  Vata, Pitta und Kapha Typen mit jeweils einem der geschilderten Agni assoziiert werden, kommt es auch häufig zu Dosha-übergreifenden Situationen. Beispielsweise kann auch  der Kapha Typ mit einem erhöhten Pitta mit der Zeit ein Tikshna Agni entwickeln.

 

Eine ausgeglichene Verdauungskraft bezeichnet der Ayurveda als «Sama Agni». Diese äussert sich u.a. in einem gesunden Appetit, in einem klaren Geist, regelmässigen Ausscheidungen, Energie, Leichtigkeit und Strahlkraft. Die Doshas befinden sich im Gleichgewicht mit der individuellen Konstitution.

 

Ist Agni aufgrund von Stoffwechselschlacken (Ama) schwach, so kann der Verdauungsprozess mit einem Mottfeuer verglichen werden, das aufgrund von feuchtem Holz nur schwach glimmt. Die Eigenschaften von Ama sind denjenigen von Agni gänzlich entgegengesetzt. Ama wird im Ayurveda als kalt, feucht, schwer, trüb, klebrig, übelriechend und unrein bezeichnet. Ein durch Ama belasteter Verdauungsprozess äussert sich u.a. in Energielosigkeit, Verdauungsbeschwerden, unregelmässiger Ausscheidung, Zungenbelag und schlechtem Körpergeruch.

 

Für ein schwaches Agni können noch weitere Ursachen verantwortlich sein:

  • Unverträgliche Nahrung (bezüglich Dosha, Tages-oder Jahreszeit, Klima)
  • Unregelmässige Essenszeiten
  • Essen ohne Hunger (Zwischenmahlzeiten, Snacks)
  • Überessen oder auch fasten
  • Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse
  • Psychische Überlastung und Stress

 

Empfehlungen zu ayurvedischer Ernährung und einfache Rezepte für köstliche ayurvedische Gerichte helfen, Agni nicht zu belasten und die Gesundheit aufrecht zu erhalten..

 

Wenn wir noch etwas tiefer in die Welt von Agni,- dem ayurvedischen Lebensfeuer - eintauchen, so finden wir drei Unterarten des oben beschriebenen Überbegriffs Agni. Insgesamt handelt es sich um 13 Typen von Agni.

 

Der Ayurveda beschreibt:

  • 1 Jatharagni (das Hauptverdauungsfeuer)
  • 5 Bhutagnis (die Elementefeuer)
  • 7 Dhatvagnis (die Gewebefeuer)

 

Jatharagni ist die wichtigste Form der Verdauungskraft im Körper. Es verleiht allen Sekreten und Enzymen, die am Verdauungsprozess in Magen und Darm beteiligt sind, vitale Lebensenergie.

Die 5 Bhutagnis haben ihren Sitz in der Leber und wandeln die verdaute Nahrung in die fünf Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther) um. Diese werden für den Aufbau der Körpergewebe benötigt.

Die 7 Dhatvagnis sind für den Stoffwechsel der Gewebe (Dhatus) verantwortlich und bilden je eines der Körpergewebe (Plasma, Blut, Muskeln, Fettgewebe, Knochen, Knochenmark/Gehirn, Keimzellen).

 

Ein kraftvolles Agni zeigt sich nicht nur als starke Verdauungskraft, welche die Nahrung zerlegt, umwandelt und mit den Nahrungsbausteinen neue Körpergewebe aufbaut, Agni steht auch für Mut, Willenskraft und Begeisterung.

Agni ist das lebensspendende Sonnenprinzip!